29.10.2026

Hören wir die Stimmen der Jugend?

Ob in Frankreich, Serbien, Belgien, Spanien oder Italien und am kommenden Wochenende nun auch in Deutschland: In zahlreichen europäischen Ländern gehen Jugendliche auf die Straße und protestieren. In Serbien haben die unermüdlichen Jugendproteste der vergangenen zwei Jahre nun sogar zu einem Regierungswechsel geführt. Hinter der insbesondere in Frankreich ausufernden – und zu verurteilenden – Gewalt verschwindet oft, was die Proteste eint: Die Jugendlichen protestieren für ihre Zukunft.

Für Samstag, 31. Oktober 2026, ruft das Bündnis „Gen Z regelt“ auch in Deutschland zu landesweiten Protesten auf. Die Forderungen der Jugendlichen sind dabei so umfangreich wie unausgewogen. Umfangreich deshalb, da sie im Positionspapier „eine Politik, die in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben investiert – statt bei der jungen Generation zu sparen.“ fordern. Unausgewogen sind die Forderungen, da eine Wehrpflicht mit dem Verweis, Frieden statt Krieg und keine Waffe in die Hand nehmen zu wollen, abgelehnt wird – dabei besteht in Deutschland die Möglichkeit, nach § 12a Absatz 2 GG den Kriegsdienst zu verweigern und einen Ersatzdienst zu leisten.

Jegliche Formen gewaltsamer Auseinandersetzung sind zu verurteilen, doch die Warnungen vor möglichen Ausschreitungen im Vorfeld lenken von dem eigentlichen Problem ab. Die Forderungen der Jugendlichen mögen zwar nicht bis ins letzte Detail ausgereift sein, aber sie haben einen wichtigen Kern: Jugendliche sind in einer alternden Gesellschaft eine strukturelle Minderheit ohne ausreichende politische Macht. Dieser Warnruf eint die Proteste in ganz Europa: Junge Menschen fühlen sich nicht gesehen und gehört. Hier gilt es, neue Formen der Partizipation von Jugendlichen im politischen Geschehen zu etablieren. Eine Möglichkeit hierzu wären so genannte Zukunftsräte in Parlamenten, die mit Jugendlichen besetzt werden, wie sie der Soziologe Aladin El Maffalani fordert. Bei diesen Zukunftsräten handelt es sich um Jugendliche, die Gesetzesinitiativen auf ihre "Enkeltauglichkeit" überprüfen, bevor sie im parlamentarischen Verfahren zur Abstimmung vorgelegt werden. Den Jugendlichen zu signalisieren, dass sie ihre Bedürfnisse so in den politischen Prozess einbringen können, wäre ein wichtiges Zeichen dafür, dass die eigentlichen Anliegen der Proteste ernstgenommen werden.