10.08.2026

Ein Sonntag der Zukunft?

„Ein Sonntag der Zukunft“[1] – unter diesem Stichwort wird auf Initiative der FDP-Fraktion im Landtag NRW derzeit eine Erweiterung der Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen diskutiert. In ihrem Antrag stellt die FDP den historisch gewachsenen Schutz des Sonntags als Tag „der seelischen Erhebung“ vor dem Hintergrund zunehmender Säkularisierung in Frage. Er müsse an die „Lebenswirklichkeit einer säkularen, digitalen, modernen und vielfältigen Gesellschaft angepasst werden“.

Doch warum muss ein „Sonntag der Zukunft“ auf Konsum, Flexibilität und wirtschaftliche Interessen ausgerichtet sein? Sind Ruhe, Erholung und Zeit für Familie und Freunde weniger wert als Kaufkraft? Lebensqualität bemisst sich nicht an Ertrag, sondern an der Pflege des Menschseins jenseits von Sachzwängen. Der Sonntagsschutz schützt diese innere Freiheit des Menschen – indem er eine Leerfläche bietet, die individuell gestaltet werden kann: durch Sport, Kultur, Kirche, innere Einkehr, Ehrenamt oder soziale Kontakte. Sein Wegfall wirkt sich auf Gesundheit und Privatleben negativ aus. Gesellschaftlich besonders benachteiligt wären Alleinerziehende, Menschen, die Angehörige pflegen sowie im Einzelhandel arbeiten.

Aus der Perspektive christlicher Sozialethik ist die Sonntagruhe nicht nur für religiöse Besinnung da. Sie dient dem Schutz vor Ausbeutung und soll körperliche und psychische Regeneration ermöglichen. Kirchen und Gewerkschaften positionieren sich deshalb gemeinsam gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten.[2] Gesetzlich ist der Sonntag durch die Verfassung geschützt (Art 140 GG). Sonntagsschutz ist weder ein Störfaktor noch ein historisches Relikt, sondern eine Chance auf Selbstentfaltung und Gestaltung. Er gibt dem Leben, dem Wechsel von Arbeit und Ruhe, einen wiederkehrenden Rhythmus. Daher darf keine schleichende Aushöhlung stattfinden. Sonntagsarbeit ist und sollte eine Ausnahme bleiben. Haben wir Mut, uns auch in Zukunft durch den Sonntag von der werktäglichen Monotonie „unterbrechen zu lassen“!

 

[2] Keine weitere Ausweitung der Ladenöffnungszeiten – den freien Sonntag schützen. Stellungnahme des Bündnisses DGB und Kirchen Paderborn vom 03.08.2026. Die Kommende Dortmund ist seit Beginn Teil des Bündnisses DGB und Kirchen Paderborn.