25.06.2025

Bessere Bildungschancen für Heim- und Pflegekinder

Bildungserfolg hängt in Deutschland immer noch stark davon ab, in welcher Familie und sozialen Schicht jemand aufwächst. In Deutschland leben etwa 250.000 Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Herkunftsfamilie. Oft, weil sie dort Gewalt oder Vernachlässigung erfahren haben. An sich schon Herausforderung genug. Diese traumatischen Erlebnisse und das teilweise Fehlen sozialer Beziehungen erweisen sich für diese Kinder als Hürden.

Neben dieser emotionalen Belastung legt Ihnen auch das Bildungssystem Steine in den Weg. Häufig werden sie stigmatisiert und die Erwartungen an ihre Leistungen sind gering. Folglich gibt es nicht nur von den leiblichen Eltern keine Unterstützung, auch Schule und Jugendhilfe werden nicht als hilfreich erfahren. Denn die Schule setzt voraus, dass sich die Eltern um den Bildungserfolg ihrer Kinder kümmern. Lehrkräfte sind oft überfordert mit den Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen, die in stationären Hilfen leben. Ein Teufelskreis.

Doch gerade Kinder und Jugendliche, denen das Leben solche Startschwierigkeiten mit auf den Weg gegeben hat, brauchen besondere und gezielte Unterstützung. Von der Nachhilfe über einen Ort, wo man in Ruhe Hausaufgaben machen kann bis zur Begleitung auf dem Weg zu einem Studium oder einer Berufsausbildung. In der Praxis gibt es zum Beispiel sogenannte „Careleaver“-Projekte. Sie bieten Hilfen für junge Menschen im Übergang aus der stationären Jugendhilfe zu einem selbstständigen Leben, etwa durch Peer-Austausch, beim Schreiben von Bewerbungen, der Beantragung von BAföG oder dem Finden einer Wohnung. Während Careleaver-Projekte sich an junge Menschen ab 18 richten, setzen gezielte Kooperationen zwischen Jugendhilfe und Schule bereits früher in der Bildungslaufbahn an – etwa durch Schulsozialarbeit oder die Entwicklung von Förderplänen für einzelne Kinder.

Solche und ähnliche Maßnahmen sind ein Korrektiv für die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der eigenen Herkunft. Nur durch sie kann Chancengleichheit auch für Heim- und Pflegekinder erreicht werden. Schrittweise kann es so den Kindern und Jugendlichen gelingen, in ihrer Schullaufbahn ihre Potenziale und Stärken zu entfalten und im Anschluss ein eigenständiges Leben zu führen.