Tagungshaus
Alles wird teurer!
Die Bahn war wieder 30 Minuten zu spät!
Wieder Notbetreuung in der Kita!
Die Liste der Empörungen könnte ich hier noch fortführen. Oder statt „Empörungen“ vielleicht besser: Die Liste der Ereignisse, die uns ärgern.
Die Zufriedenheit der deutschen Bevölkerung zeigt zwei Dinge: der Zufriedenheit mit den persönlichen Verhältnissen steht häufig eine negative Einschätzung der Gesamtsituation gegenüber. Im Weltglücksbericht steht die Nation 2026 auf Platz 17 (und damit schon besser da als in den Vorjahren).[1]
Die Hamburger Psychologin Annika Lohstroh sagte 2011 schon in einem Interview „Wir sehen einen wichtigen Faktor in dem preußischen Obrigkeitsdenken. Das Wertesystem, das auf preußischen Tugenden basiert, kennt vor allem Unterwerfung, nicht aber Kreativität und Spontaneität. Und in diesem kollektiven deutschen Unterbewusstsein steht nicht gerade der Optimismus im Vordergrund, sein Leben selbst in die Hand nehmen zu können, sondern das Bedürfnis, jemanden zu finden, dem ich die Verantwortung übergeben kann.“[2]
Um nicht falsch verstanden zu werden: Persönliche Belastungen und Krisen im Staat sind nicht belanglos. Was ich mir wünsche ist, dass wir uns unsere in vielen Bereichen privilegierte Situation bewusstmachen. Dann können wir auch auf die Dinge schauen, die Verbesserungspotential besitzen und nach unseren Möglichkeiten Probleme angehen.
Wir besitzen die Verantwortung für uns und die Gemeinschaft unsere Talente und Kompetenzen einzubringen. Dieses Recht, nicht nur Objekt „der Obrigkeit“ zu sein, ist auf der anderen Seite die Pflicht, Verantwortung zu übernehmen. Und wenn es hier Lücken gibt, die ein Einzelner/ eine Einzelne nicht meistern kann, dann ist es gut, dass es andere Systeme gibt (Staat, Stadt, Kirchen…), die einen auffangen. So verzahnt sich nach der Katholischen Soziallehre das Recht des Einzelnen auf Selbstständigkeit mit der Unterstützung im Notfall. Und so führt vielleicht auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu einem insgesamt größeren Zufriedenheitsgefühl.
Bei der jährlichen Erhebung der Zufriedenheit der Bevölkerung steht Deutschland auf Platz 17. "Den" Deutschen wird nachgesagt, sie besäßen ein hohes "Nörgelpotential". Martina Luft beschäftigt sich in ihrem Standpunkt unter anderem damit und stellt die Frage, wer für Veränderungen (mit) Verantwortung trägt.
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