k•punkt 1/2026 "Künstliche Intelligenz oder die menschheit im Mittelpunkt?" erschienen

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k-punkt 1-2026

Direktor Detlef Herbers schreibt im neuen Geleitwort:

Die mit Spannung erwartete erste Enzyklika Magnifica humanitas (MH) von Papst Leo XIV. überrascht. Ankündigt als ethische Auseinandersetzung mit der Künstlichen Intelligenz (KI) einschließlich der Digitalisierung und Robotik liest sie sich als ein umfassender Entwurf moralischen Handelns in den Transformationen des 21. Jahrhunderts – politisch, gesellschaftlich, kirchlich. Weniger überraschend ist, dass die Enzyklika von der Menschenwürde, den Menschenrechten und dem Gemeinwohl der Völker ausgehend die Chancen wie Risiken der KI auslotet. Dem Glücksversprechen der KI, die Probleme der Menschheit zu lösen und die Unzulänglichkeiten des Menschen zu überwinden, hält der Papst die „Begrenztheit“ des Menschen als integraler Bestandteil seiner existenziellen Würde und Ausgangspunkt der Menschlichkeit entgegen. Er schreibt:

Unser Verhältnis zum Leben scheint heute in einer Krise zu stecken. Alles, was als ‚Begrenztheit‘ erscheint – Unfähigkeit, Krankheit, Alter, Leiden, Verletzlichkeit -, wird normalerweise erst einmal als ein zu behebender Mangel angesehen und nicht als ein Umstand, durch den der Mensch reift und sich für Beziehungen öffnet. Doch wir müssen daran denken, dass der Mensch nicht trotz einer Begrenztheit, sondern oft gerade durch seine Begrenztheit zur Entfaltung gelangt.“ (MH 118)

Die Begrenztheit des Menschen als Teil seines Daseins zu akzeptieren und zu achten, ist für den Papst möglich, wenn er dessen Geschöpflichkeit, von Gott gewollt und geliebt, in den Blick nimmt. In dieser Wahrheit des Evangeliums liegt für ihn der Beitrag der Kirche im Dialog und Ringen um die Zukunft. Es geht nicht um die Optimierung und Überwindung des Menschen, sondern um das Wachsen und Entfalten des Menschlichen, „wenn Fortschritt an der Würde jedes Einzelnen und (!) am Wohlergehen aller Völker gemessen wird“ (MH 12). So könnte Technologie „heilen, verbinden, bilden und unser gemeinsame Haus schützen“ (MH 9). Scharf kritisiert er daher, dass die technologische Macht, die unser zukünftiges Leben bestimmt, in „privaten“ (!) Händen und Interessen einiger Weniger liegt. Die Technologie KI ist moralisch nicht neutral. (MH 104)

Die gegenwärtigen gesellschaftlichen und weltpolitischen Entwicklungen sind düster. Der Papst ist hier nüchtern und scharf in seiner Analyse. Aber die Geschichte zeige, so der Papst, dass die Menschheit in der Lage ist, Institutionen zum Schutz des gemeinsamen Lebens zu schaffen. Zwar sind moralische Fortschritte fast immer ein langer und beschwerlicher Weg mit Rückschlägen, wie gegenwärtig die unterbrochenen Friedensprozesse oder die nur langsam umgesetzten Umweltschutzverpflichtungen zeigen. Typisch für die Argumentation von Leo XIV. ist, dass diese „Fragilität“ und Ungewissheit doch gerade zeige, wie wertvoll die Verantwortung derjenigen ist, die den moralischen Fortschritt anstoßen und unterstützen – allen Mühen trotzend. (MH 123)

Schutzräume des gemeinsamen Lebens im Blick auf die Begrenztheit und um die Bewahrung der Menschheit gestalten: Papst Leo XIV. sieht hier auch das kirchliche Handeln in der Pflicht. Inwieweit wir als Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn dieser Pflicht im Dienst an der Menschheit und der Erde genügen, können sie anhand der Beiträge dieses K-Punkts prüfen. Herzliche Einladung zum Mittun!