Diskursive Räume offenhalten
Am Abend feierte Erzbischof Dr. Bentz dann mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Eucharistie in der Kapelle der Katholischen Akademie Schwerte und tauschte sich anschließend persönlich mit ihnen aus. Mit Blick auf die laufenden Transformationsprozesse und Strukturreformen innerhalb der Kirche sprach er auch die herausfordernde Situation der Akademien an: „Akademie- und Erwachsenenbildungsarbeit haben es in diesen Umbrüchen nicht leicht – insbesondere dann, wenn wegfallende Finanzmittel die Themenauswahl bestimmen.“
Umso mehr unterstrich der Erzbischof die Bedeutung der Akademiearbeit. Ihre Aufgabe bestehe darin, „diskursive Räume offenzuhalten“ – also Orte zu schaffen, an denen sich Kirche und Gesellschaft begegnen und miteinander auseinandersetzen können.
Suche nach der Wahrheit
In seiner Predigt zum Fest „Darstellung des Herrn“ (Maria Lichtmess) nahm Erzbischof Dr. Bentz vor dem Hintergrund der Lichtsymbolik des Festtages die Frage nach der Wahrheit im Sinne der Klarheit in den Blick. Das Gegenteil von Wahrheit sei nicht einfach der Irrtum, sondern vielmehr „Verdeckung, Ablenkung und Zynismus“. Deshalb brauche es „Orte, wo Menschen wieder üben können, was eine Gesellschaft am Leben hält: zuhören, argumentieren, unterscheiden, würdigen, widersprechen – ohne zu vernichten. Eben Orte der Wahrheit.“
Orte geistig-intellektueller und emotionaler Gastfreundschaft
Im anschließenden Gespräch mit Erzbischof Bentz standen zwei Themen im Vordergrund: Zum einen wurde die Bedeutung der Akademien als Orte der offenen und differenzierten Debatten in einer Gesellschaft, in der Schwarz-Weiß-Malerei, Vereinfachungen, Feindbilder und Fake News vor allem im politischen und medialen Bereich an der Tagesordnung sind, unterstrichen. Dabei ermutigte Erzbischof Dr. Bentz die anwesenden Akademieleitungen dazu, auch kontroverse Debatten zu ermöglichen, Kooperationspartner zu suchen und den Kreis der Gesprächspartner nicht zu klein zu ziehen. Zum anderen wurde die Rolle der Akademien als Orte geistig-intellektueller und emotionaler Gastfreundschaft hervorgehoben, in der Menschen verschiedener Herkunft und Prägung Halt und Orientierung finden könnten. Einigkeit bestand darin, trotz der Ressourcenknappheit vieler Diözesen dem Bildungsbereich weiterhin eine Schlüsselfunktion im Blick auf die künftige Gestaltung kirchlichen Lebens einzuräumen und die Akademien als breite Kontaktfläche über den kirchlichen Binnenbereich hinaus zu stärken.
(Text: Michael Bodin/Raphael Röwekamp)