"In einer Demokratie müssen wir uns immer wieder auch selbst engagieren."

1945. Zwischen bedigungsloser Gefolgschaft und Deutschem Widerstand

Das Kriegsende 1945 war für viele Deutsche eine Befreiung, aber es gab auch einige, die dem Naziregime bis zuletzt treu ergeben waren. Zusammen mit der Campus-Weggemeinschaft e.V. bot die Kommende Dortmund vom 1. bis 4. Oktober 2026 ein Berlinseminar zum Thema "1945. Zwischen bedingungsloser Gefolgschaft und Deutschem Widerstand" der außerschulischen politischen Jugendbildung an.

In vier Tagen setzten sich die Jugendlichen mit der Endphase des Zweiten Weltkriegs in Deutschland auseinander. Dabei erfuhren sie im Seminar verschiedene Perspektiven. Nach einer Einführung ins Thema anhand des Films „Sophie Scholl. Die letzten Tage“ durch Frau Dr. Christina Bach von der Konrad-Adenauer-Stiftung, stand am nächsten Vormittag die Arbeit des Deutschen Bundestags auf dem Programm.

Im Hintergrundgespräch mit Markus Burke, Büroleiter der grünen MdB Marlene Schönberger, über die Arbeit im Bundestag wurden den Jugendlichen die Unterschiede zwischen Regierungs- und Oppositionsarbeit bewusst. Der Austausch öffnete ihnen die Augen über die Gefahren demokratiefeindlicher Angriffe. Eine Schülerin fasste zum Abschluss des Seminars ihre Eindrücke zusammen: 

„Vor 5 Jahren war Demokratie für mich irgendwie selbstverständlich. Jetzt nach der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und dem Deutschen Widerstand, sehe ich, dass wir uns immer wieder auch selbst engagieren müssen. Das erfordert Mut. Aber gerade die vergangenen Wahlen in Sachsen-Anhalt zeigen mir, dass wir wachsam sein und menschenfeindlichen Positionen entgegentreten müssen.“

Der Besuch des Denkmals der ermordeten Juden Europas ermöglichte den Jugendlichen einen Blick aus der Perspektive der Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes, bevor durch den Besuch der Topografie des Terrors die minutiöse und strategische Planung der Täter vermittelt wurde. Hierbei war besonders die Entmenschlichung der Opfer eine schockierende Einsicht, die durchaus Parallelen in der Debatte um Remigration und dem vermeintlichen Volkswillen in der heutigen Zeit besitzen. 

Nachdem die Opfer- und Täterperspektiven erarbeitet wurden, befassten sich die Jugendlichen beim Besuch der Gedenkstätte Plötzensee und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand die Perspektiven und die Beweggründe derjenigen ein, die sich den Nationalsozialisten entgegenstellten und die dies häufig mit dem eigenen Leben bezahlen mussten. Hier wurden einige eindrückliche Beispiele des nationalsozialistischen Unrechtsstaates deutlich, die mit Schauprozessen versuchten eine vermeintlich funktionierende Gerichtsbarkeit zu simulieren und die Unrechtsurteile damit zu legitimieren. Hier erkannten die Jugendlichen der Campus-Weggemeinschaft Parallelen zum russischen Justizsystem.

In der Abschlussreflexion reflektierten die Teilnehmer:innen welche Lehren wir aus der deutschen Geschichte ziehen können und bezogen die erarbeiteten Inhalte ausdrücklich noch einmal auf den Besuch des Reichstags und die Arbeit des Deutschen Bundestages. Die Jugendlichen zogen das Fazit, dass sie es schätzen in einer Demokratie zu leben, dass die Geschichte jedoch auch gezeigt habe, dass es mutige Menschen brauche, die sich für den Erhalt der Demokratie engagieren und auch in der heutigen Zeit wachsam gegenüber den Feinden der Demokratie sein müssen.

Die Finanzierung der Fortbildung wäre ohne die Förderung des BMBFSFJ im Rahmen des Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) nicht möglich gewesen. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.

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