Größer könnte das Kontrastprogramm kaum sein: Während überall im Land den Hauptschulen das Sterbeglöckchen geläutet wird, starten Schülerinnen und Schüler der Katholischen Hauptschule Dortmund-Husen das Projekt „Gemeinsam die Zukunft gestalten“. Und diese Zukunft, so scheint es, liegt für die Dortmunder Jugendlichen in Europa, genauer in Zabrze, einem kleinen polnischen Städtchen in der nähe von Kattowitz. Auch dort glauben Schüler und Schülerinnen daran, dass unsere Zukunft in Europa liegt, und dass man etwas daran gestalten kann. Gemeinsam. Grenzüberschreitend.
Anstatt über den bildungspolitischen Gegenwind zu jammern, der den Hauptschulen hierzulande ins Gesicht bläst, haben engagierte Lehrer und Schüler der Dortmunder Hauptschule noch einmal die Segel gesetzt und brechen auf zu neuen Ufern. Doch um sich ernsthaft mit der Zukunft auseinanderzusetzen, wie es sich die Schüler auf die Fahne geschrieben haben, müssen sie an ihre besten Erfahrungen und ihre kühnsten Träume anknüpfen, die da lauten: „Gerechtigkeit als Voraussetzung für ein friedliches Miteinander“ Dieser Untertitel gibt das eigentliche Ziel des gemeinsamen Unternehmens an. Nur wenn es gerecht zugeht, keiner den anderen übervorteilt und sich mehr heraus nimmt, als ihm zu steht, ist ein friedliches Zusammenlebten denkbar. Das ist nicht graue Theorie, sondern eingespielte Praxis, jedenfalls in Husen. Denn dort gibt es an der Schule das sogenannte Soziale Seminar, das die Kommende schon seit über dreißig Jahren mit den zehnten Klassen durchführt. Hierbei lernen die Schülerinnen und Schüler die Grundzüge der Katholischen Soziallehre kennen und werden zu einer fundierten Meinung und aktiven Teilhabe an Gesellschaft und Politik befähigt. Was das konkret bedeutet? Die Schülerinnen und Schüler setzen sich über ein Jahr in ihrer Freizeit mit Themen aus Politik und Gesellschaft, wie Demokratie, Solidarität, Gerechtigkeit, Armut, Arbeitslosigkeit, Globalisierung und Umwelt auseinander. Unverzichtbar sind dabei der praktische Bezug sowie das Lernen mittels erfahrungsorientierter Methodik, um über den Nachvollzug konkreter Beispiele die Bedeutung und Rolle der Politik wahrzunehmen und einschätzen zu können. Die Schülerinnen und Schüler können sich so positiv und kompetent erleben, lernen in Rollenspielen andere Perspektiven kennen und finden auf diese Weise ihre eigene Position. Dabei fühlen sie sich als Person ernst genommen und erfahren zugleich Wertschätzung. So dass ein ehemaliger Hauptschüler am Ende des Sozialen Seminars erklärte: „Jetzt verstehe ich endlich, was in der Zeitung steht!“
Aufmerksam auf das Soziale Seminar wurde die polnische Partnerschule beim Schüleraustausch im letzten Jahr als die polnischen Schülerinnen und Schüler in Dortmund zu Besuch waren. Von der Idee des Sozialen Seminars und der Fragestellung nach einer gemeinsamen Zukunft für Europa begeistert, erkannte die Partnerschule sofort, dass das Konzept auch für Polen von großer Bedeutung ist und daher fester Bestandteil an der eigenen Schule werden soll.
Initiiert wurde das deutsch-polnische Seminar im Rahmen des Polen-Nordrhein-Westfalen-Jahres 2011/2012, bei dem die katholische Hauptschule Dortmund-Husen mit ihrem Projekt „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ am 14. Februar 2011 von Europaministerin Dr. Angelica Schwall-Düren, als einer der 24 Preisträger des Wettbewerbs für Projekte zur deutsch-polnischen Zusammenarbeit, in der Staatskanzlei ausgezeichnet wurde.
Der Transport des Sozialen Seminars nach Polen, in Form des deutsch-polnische Seminars „Gemeinsam die Zukunft gestalten“, bildet einen weiteren Mosaikstein der Arbeit der Kommende-Stiftung beneVolens, neben vielen weiteren Projekten, wie der Sozialakademie – „Europa eine Seele geben“, sich für ein vereintes, friedvolles und gerechteres Europa einzusetzen.






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