Sozialinstitut
Kommende Dortmund
Brackeler Hellweg 144
D-44309 Dortmund
Telefon 0231 - 20605-0
Telefax 0231 - 20605-80



Impressum
Gütesiegel Weiterbildung
 
Förderverein + Stiftung

Suchtprävention - ein Pilotprojekt von beneVolens

Sarah und Christian, zwei Schüler von der Hauptschule Dortmund – Husen, die an dem Pilotprojekt Suchtprävention teilnahmen.Kommende

Ich krieg die Krise“, so Alex[1] auf der Fahrt nach Mörmter: drei Tage kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Internet – und vor allem kein Handy. Ein leichter Anflug von Panik machte sich breit, als die den zehn Schülerinnen und Schülern der Dortmunder Hauptschule vor dem ehemaligen  Franziskanerkloster in Xanten aus dem Auto stiegen.

Sie hatten sich freiwillig für das Pilotprojekt zur Suchtprävention der Kommende-Stiftung beneVolens gemeldet. Das Besondere dabei: das Seminar fand nicht in einem Bildungshaus statt, sondern auf einem Bauernhof, zusammen mit den größtenteils jugendlichen Bewohnern, die meisten von ihnen Ex-Junkies, die mit der Droge und dem Alkohol auch die leidvolle Erfahrung von sozialem Abstieg und Gefängnisaufenthalt durchgemacht hatten. Hier auf dem „ Hof der Hoffnung“ – „Fazenda da Esperança“ – haben sie ein neues Leben begonnen, mit einer Ernsthaftigkeit und Konsequenz, aber auch von überraschenden Vitalität, die Alex und seine Mitschüler sofort in ihren Bann zieht.

In persönlichen Gesprächen mit den Bewohnern, die meisten kaum älter als sie selbst, erfahren sie, dass der Weg in die Droge nicht immer durch tragische oder traumatische Erlebnisse ausgelöst ist. Der Übergang von Genuss zur Sucht kann manchmal sehr fließend sein. Dieser Gefahr sind Menschen aller Alters- und Milieugruppen ausgesetzt. „Das sind ganz normale Menschen“, sagt Melanie, „so wie wir!“

Mit großen Ohren hören sie den Leuten auf der Fazenda zu, die es geschafft haben, aus der Droge und dem „Milieu“ wieder herauszukommen. Sie bekommen hautnah mit, wie Abhängige zu Kriminellen werden -  ein Teufelskreis, der ihr Leben immer mehr zerstört hat. Die Schüler und Schülerinnen zeigen sich tief beeindruckt. „Ich hätte nie gedacht, dass der so einen schwierigen Lebensweg und so eine Drogenkarriere hinter sich hat“, sagt eine von ihnen, „Jetzt kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass er einmal so tief im Sog der Sucht gesteckt hat.“

Neben den Begegnungen und Gesprächen mit den Bewohnern, zweifellos das Highlight des Wochenendes, setzen sich die Teilnehmer in verschiedenen Seminareinheiten mit dem Thema „Sucht“ auseinander und lernen in Rollenspielen, woran man (eigene) Abhängigkeit und Sucht erkennen und was man dagegen tun kann.  Dazu gehören natürlich auch Informationen über das deutsche Gesundheitssystem, über staatliche Hilfsprogramme und diverse Präventionsmaßnahmen und -Kampagnen.

Die überraschende Antwort auf die Frage nach den erfolgversprechendsten Therapie kommt  aber von den Bewohnern der Fazenda selbst, die oft schon mehrmals „auf Entzug“ waren, immer ohne nachhaltigen Erfolg. Diesmal, so sagen sie, ist es anders. Denn der Schlüssel zu einem neuen Leben besteht aus einem Wort mit vier Buchstaben: „Sinn“. Das ist es, was die Bewohner hier gelernt und erfahren haben: „Du kannst das Leben leben, wenn du weißt, wofür du es lebst.“ Sie, die sich oft selbst abstoßend und unwürdig vorgekommen sind und jede Selbstachtung verloren haben, erfahren hier, manchmal zum ersten Mal, dass sie angenommen, um ihrer selbst wertgeschätzt sind. Wer geliebt wird, fängt auch selbst an zu lieben; er erfährt, dass er liebens-würdig ist und entdeckt, dass auch er liebes-fähig ist. So bekommt das Leben hier auf der Fazenda wieder einen Sinn, und das respektvolle und zugewandte Miteinander ist der eigentliche Schlüssel zum Therapieerfolg. 

Das ist es, was die Schülerinnen und Schüler in den Tagen auf der Fazenda am eigenen Leib erfahren haben, ohne es doch gleich benennen zu können: jene unerwartete Offenheit und ein Wohlwollen, das sie eingenommen hat, jener „Geist“ der Gemeinschaft, der die Fazenda-Bewohner erfüllt und das Geheimnis ihres neuen Lebens ist. So bleibt am Ende in allen eine große Begeisterung, und es zeigt sich, dass nach nur drei Tagen der Funke übergesprungen ist: eine Begeisterung über die neue Lebenserfahrung – und eine neue Nachdenklichkeit, denn die Frage, wofür man sein eigenes Leben einsetzt, stellt sich nicht nur dem, der erst durch das Tal der Droge gegangen ist. Der überschwängliche Abschied fiel allen schwer, aber Alex brachte es – mal wieder – für alle auf den Punkt: „Wir kommen wieder!“


[1] Alle Namen sind von der Redaktion geändert

Sozialinstitut Kommende Dortmund
 
Suche auf der Homepage  
 
 
 
Praktika in der Kommende

 
Unternehmerpreis 2012
 
Amosinternational
AMOSinternational
 
Osteuropa-Forum
 
k.punkt. Das Magazin
 
Kommende-Stiftung