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Bericht: Kultur ist dynamischer Prozess

Dr. Andreas Fisch referierte über Zuwanderer und deutsche Leitkultur

win Olpe. Manchmal bleibt nur, sich zu wundern. So kürzlich, als die Katholische Bildungsstätte (KBS) Olpe einen Vortrag organisiert hatte, der sich mit einem Thema befasste, das nahezu in aller Munde ist, das nicht nur die Stammtische, sondern fast jeden Bürger berührt und zu dem sich wohl jeder eine Meinung gebildet hat: die Zuwanderung in die deutsche Gesell­schaft. Dr. Andreas Fisch von der Kom­mende aus Dortmund war als fachkundi­ger Referent gekommen, und auf den Zu­hörerstühlen der Bildungsstätte an der Friedrichstraße verloren sich sage und schreibe fünf zahlende Zuhörer. Sie erleb­ten einen vielschichtigen, nachdenklich stimmenden und feinsinnigen Vortrag, der 500 Zuhörer verdient gehabt hätte.

„Dürfen Zuwanderer unsere Kultur ver­ändern?" stand als Überschrift über der Einladung. Dr. Andreas Fisch führte die Zuhörer zunächst aufs Glatteis: Er zeigte das Bild eines bärtigen Turbanträgers und ließ die Zuhörer ihre Eindrücke schildern. Diese fielen recht eindeutig aus: Sie fühl­ten sich bedroht. „Wenn ich den Turban sehe, denke ich an den Islam", so eine Zu­hörerin. Fisch klärte auf: Der abgebildete Mann ist ein ausgebeuteter Arbeiter in den Vereinigten Arabischen Emiraten, möglicherweise sogar ein Christ.

Dass Menschen, die Angst vor Zuwan­derung haben, überwiegend keine Pro­bleme mit Spaniern, Italienern, Griechen oder Tschechen nennen, sondern stets und fast ausschließlich Zuwanderer aus islami­schen Staaten ablehnen, zeigte Dr. Fisch anhand von Umfragewerten. Angst vor dem Islam hätten inzwischen 34 Prozent der Befragten, noch vor wenigen Jahren seien es 24 Prozent gewesen. „Wir werfen Islam mit Islamismus, Fundamentalismus, Extremismus zusammen." Extremismus gebe es aber genauso auch in der katholischen oder der evangelischen Kirche - wenn auch ohne Gewaltbereitschaft.

Anhand eines Beispiels verdeutlichte Dr. Fisch, wie sehr mit unterschiedlichem Maß gemessen wird: Niemand käme dazu, zu behaupten, Kardinal Meisner unter­stütze die Anschläge in Nordirland. „Muslime müssen sich quasi für jedes islamische Verbrechen weltweit entschuldigen." Er erinnerte daran, dass die christliche Sozialethik von der glei­chen Menschenwürde für jeden ausgehe.

Kultur sei kein festes Gut, sondern ein dynamischer Prozess. Daher stünden sich verschiedene Kulturen auch nicht unver­einbar gegenüber. Er nannte als Beispiel das Frauenbild der 50er-Jahre in Deutsch­land und die Tatsache, dass heute eine Bundeskanzlerin die Regierung führt. Die Frage nach einer Leitkultur stelle sich eigentlich gar nicht, eben weil eine Kultur sich fortwährend ändere.

Der heutige Umgang mit Zuwanderern erinnert laut Dr. Fisch an die Zeit nach 1945 und die Flüchtlinge, die in die Bundes­republik kamen. „Da gab es Inländerfeind­lichkeit", bekräftigte ein Zuhörer. Dr. An­dreas Fisch zählte auf: Nahezu bei jeder EU-Erweiterung hätten Skeptiker das Kla­gelied angestimmt, dass nun die Spanier/ Portugiesen/Polen/Tschechen Deutsch­land mit ihren Arbeitslosen überschwem­men würden. Passiert sei praktisch nichts.

Dr. Fisch betonte, dass bei jedem Zu­wanderer vorausgesetzt werden müsse, dass dieser eine Art „Verfassungspatriotis­mus" besitze. Verfassung und Grundgesetz müssten der „unhintergehbare Werteka­non" sein, der private Raum biete die Vo­raussetzungen für eine pluralistische Ge­sellschaft, Zivilgesellschaft und Parlament stünden als Räume für integrative Kon­flikte zur Verfügung.

In Sachen Sprache könne man nieman­dem vorschreiben, was er zu Hause spre­che. „Aber wir müssen klarmachen, was besser für das Mitwirken in der Gesell­schaft ist. Deutsch zu lernen ist ein Gebot der Klugheit." Allerdings „täten wir gut da­ran, Türkisch als Fremdsprache zu leh­ren", denn - ob nun EU-Land oder nicht - die Türkei sei einer der wichtigsten Han­delspartner Deutschlands.

Vorwürfe, Zuwanderer neigten zur Ghetto-Bildung, begegnet Dr. Fisch mit der These, dass niemand gern oder freiwillig in Ghettos lebe: „Wer da wohnt, der sucht sich das nicht aus, der bleibt übrig." Anfangs sei das Leben in der­artigen Wohnvierteln eine Hilfe für die Be­troffenen, später ein Käfig. Er schloss seine Ausführungen mit dem Wunsch nach „mehr Gelassenheit und Neugier" im Um­gang mit Zuwanderern. Zudem „müssen wir im Dialog redlich bleiben".

Foto: Dr. Andreas Fisch, hier mit KBS-Mitarbeiterin Christiane Postma, referierte in der Katholischen Bildungsstätte über Integration und Vorurteile.          Foto: win

Mit freundlicher Genehmigung der Siegener Zeitung!

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