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Für Daniel Fuhrhop ist auf dem Wohnungsmarkt eine Kurskorrektur dringender denn je

Es war ein bizarres Bild vom Immobilienmarkt, das Daniel Fuhrhop beim Querdenkerabend zeichnete: Auf der einen Seite stehen in der Bundesrepublik rund 1,7 Millionen Wohnungen leer, Tendenz steigend. Auf der anderen Seite werden Jahr für Jahr rund 300.000 Wohnungen neu gebaut und auch hier geht die Zahlenkurve nach oben. Das Ganze wird nach Worten des studierten Architekten und Betriebswirtschaftlers noch dadurch getoppt, dass Forschungsinstitute zu dem Schluss kommen, es fehlt sogar Wohnraum. Die Angaben schwanken zwischen 200.000 und 490.000 Wohnungen. „Da wird Schindluder mit dem Bedarf getrieben“, sagte der Blogger und Autor, der 2015 die Streitschrift „Verbietet das Bauen“ herausgegeben hat.

Nach Ansicht von Fuhrhop sollte viel mehr in den Häuserbestand investiert werden, um Wohnraum zu erhalten und auch zu verbessern. Auch die kritische Rückfrage von Dozent DDr. Richard Geisen, ob und wie sich das denn bewerkstelligen lasse, erwiderte der frühere Leiter des Architekturverlages, dass den vorhandenen Gebäudepotenzialen viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt werde. Sehr häufig höre man das Argument, Neubauten seien nun mal ökologischer angesichts ihrer Energieeffizienz durch die gesamte Ausgestaltung des Gebäudes. Dass allerdings auch Altbauten entsprechend saniert werden könnten, um ähnliche Energieergebnisse zu erzielen, werde gern auch mal vernachlässigt, erklärte Fuhrhop.

Wenn in Deutschland heute die Wohnfläche pro Person bei 45 Quadratmeter liegt und damit um ein Dreifaches den Durchschnitt von 1950 übersteigt, dann sei das sicherlich dem erreichten Wohlstand geschuldet, räumte Fuhrhop auf Rückfrage von Geisen ein. Aber trotzdem müsse doch die Frage erlaubt sein, ob immer neuer Wohnraum erforderlich ist; ob die Bauplanungen auch wirklich den Ansprüchen entsprechen und auch welche Folgen für Natur und Umwelt die stetige Erweiterung des Wohnungsbestandes hat.

In seinem Buch beschreibt er 50 „Werkzeuge“, also Mittel und Wege, wie sich vorhandene Häuser, Städte und vor allem auch kleine Dörfer verändern lassen, um sie wieder nutzbar zu machen. Fuhrhop sprach von „Orten, wo jeder wegzieht“, in denen erheblich Wohnraum vorhanden ist, aber leer steht. Er schlägt unter anderem ein „Probewohnen“ vor, denn viele Menschen kennen die Orte nur vom Hörensagen und sind sehr erstaunt, was sie zu bieten haben, wenn sie sich mal eine gewisse Zeit dort aufhalten. Existenzgründern könnte man solche Dörfer gegebenenfalls auch schmackhaft machen oder auch das Projekt Stadtschreiber ansiedeln. Dann hält sich über einen längeren Zeitraum ein Schriftsteller in dem Dorf auf, um am Ende seine Impressionen in Buchform zu kleiden, was dem Renommee des Ortes durchaus zuträglich ist. Grundsätzlich sei es für Städte heutzutage sehr schwierig, die Prozesse auf dem Wohnungsmarkt noch mitzugestalten, da die meisten Wohnungsgesellschaften längst privatisiert wurden und die Kommunen somit keinen Zugriff mehr auf den Bestand haben. Wie man ein Dorf gerade mit seinen alten Menschen wieder beleben kann, zeigte Fuhrhop am Beispiel einer Gemeinde auf, in der die Senioren aus den Altenheimen zurück in den Ort wechselten und zusätzlich Mitarbeiter der häuslichen Pflege hinzukamen, wodurch auch die Einwohnerzahl stieg.

Für das Wohnen im Bestand selbst nannte der Autor eine ganze Reihe alternativer Modelle im Vergleich zu üblichen Familien- oder Singlehaushalten. Denn diverse Wohnprojekte verfolgen alle ähnliche Ziele, nämlich Wohnraum zu sparen, zugleich aber auch Individualität zu wahren und kostenmäßig nicht aus dem Ruder zu laufen. Beispielsweise bestehen so genannte Clusterwohnungen, in denen die Bewohner von acht bis zehn Appartements eine gemeinsame, große und gut ausgestatte Küche benutzen. Ein anderes Beispiel ist das Miethäusersyndikat, das einst in Freiburg gegründet nun schon 100 Projekte realisiert hat. Häuser werden gemeinschaftlich über eine GmbH gekauft, trotzdem bleiben die Bewohner immer Mieter und der Wohnraum hat erschwingliche Preise. Ungenutzte Chancen bietet nach Ansicht von Fuhrhop das Modell der Wohnpartnerschaften, das bislang 36 Hochschulen unterstützen Studenten erhalten Wohnraum und sind im Gegenzug bei der Erledigung von kleinen Aufgaben behilflich. „Hier wäre es wünschenswert, wenn sich noch mehr Hochschulen das Projekt zu eigen machen könnten“, sagte der Gast beim Querdenkerabend.

Auch wenn die Flüchtlingspolitik längst nicht mehr die Schlagzeilen beherrscht wie noch vor wenigen Monaten, müsse es doch die Überlegung geben, wo und wie man sie dauerhaft unterbringt, erklärte Fuhrhop auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum. Die Kommunen haben selbst ganz wenig Regulierungsmöglichkeiten, deshalb wird immer auch die Eigeninitiative von Geflüchteten und Helfern gefragt sein.
Theo Körner, Dortmund

www.daniel-fuhrhop.de

www.verbietet-das-bauen.de

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