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Von „intelligenten Regalen“ und „maschineller Verantwortung“ – Kommende-Forum zur Digitalisierung

Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet rasant voran. Der schnelle Ausbau der digitalen Infrastruktur ist erklärtes politisches Ziel. Viele sehen gerade für den Wirtschaftsstandort große Potenziale durch die Digitalisierung. Andere befürchten erhebliche Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt. Schreckgespenste sind die menschenleere Maschinenhalle oder die Steuerung des arbeitenden Menschen durch Maschinen. Diesem hochaktuellen Thema widmete sich das Kommende-Forum am 13. Dezember 2016. Im vollbesetzten Rittersaal diskutierten die Teilnehmer mit dem Dortmunder Logistiker Michael ten Hompel und dem Bochumer Sozialethiker Joachim Wiemeyer über den tiefgreifenden und unumkehrbaren Wandel zu einer digitalisierten Arbeitswelt.

In seinem Eröffnungsvortrag erläuterte Prof. ten Hompel, Lehrstuhlinhaber für Förder- und Lagerwesen an der TU Dortmund und geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, anschaulich, welche technischen Veränderungen mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“ verbunden sind. Dazu benannte er drei zentrale Herausforderungen: immer kürzere Zeitspannen bei der Logistik, die Individualisierung und Flexibilisierung der Produktion sowie die stetig wachsende Komplexität der Industrieprodukte. Die Welt könne mit intelligenten und autonomen Systemen effizienter organisiert werden. Die Entwicklung zur Industrie 4.0 sei letztlich nicht aufhaltbar, aber es gehe darum, die Entwicklung entsprechend mitzugestalten. Eine entscheidende Frage sei dabei: Wie wird sich das Verhältnis von Mensch und Maschine verändern? Ten Hompel stellte dazu das Zukunftsbild der „Social Networked Industrie“ vor, wo Mensch und Maschine als gleichberechtigte Partner (inter)agieren. Doch nach welchen Regeln geschieht dies? Gibt es so etwas wie eine „maschinelle Verantwortung“, eine Art „Kategorischen Imperativ“ für die digitale Welt? Solche Fragen müssten heute schon beantwortet werden! Als konkretes Beispiel nannte ten Hompel das bereits in einigen Unternehmen verwendete „intelligente Regal“, das dem Lagerarbeiter rechtzeitig mitteilt, wenn er Gegenstände hebt, die seinen Rücken zu sehr belasten.

In seinem Statement benannte Joachim Wiemeyer, Professor für Christliche Gesellschaftslehre an der Ruhr-Universität Bochum, einige kritische Punkte, die die Digitalisierung aus seiner Sicht mit sich bringt: Nicht alle möglichen technologischen Entwicklungen, darunter auch überflüssige Spielereien, seien auch gesellschaftlich akzeptiert. Ein großes Problem bestünde in der Anfälligkeit von digitalen Systemen für Missbräuche, wie z.B. durch Hackerangriffe. Mit Bezug auf das Bespiel des „intelligenten Regals“ verwies Wiemeyer auf die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer und auf den Datenschutz. Mit der Digitalisierung gehe oft auch ein Verschwimmen der Grenzen von Freizeit und Beruf einher, wenn die Arbeit immer weniger orts- und zeitgebunden sei, z.B. durch Home Office, und der Arbeitnehmer stets verfügbar sein müsse. Diese problematischen Aspekte dürfe man nicht aus dem Auge verlieren, bei aller Euphorie über die neuen Möglichkeiten der Industrie 4.0.

In der anschließenden Diskussion kamen weitere skeptische Anfragen zur digitalen Arbeitswelt zum Vorschein, etwa zu den Konsequenzen für unsere Sozialsysteme, zur Datensicherheit oder zur Frage, ob die Digitalisierung neue Arbeitsplätze schafft, oder vielmehr das Gegenteil bewirkt. Prof. ten Hompel begegnete den Sorgen mancher Anwesender mit einer optimistischen Zukunftssicht über die Potenziale der Digitalisierung. Detlef Herbers, stellvertretender Direktor der Kommende Dortmund, brachte die Erkenntnis des Abends am Ende folgendermaßen auf den Punkt: Es komme angesichts der Unumkehrbarkeit der Digitalisierung letztlich darauf an, sich den technologischen Entwicklungen aktiv zu stellen und diese zugleich sozial und verantwortungsvoll zu begleiten.

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