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Ahmet Toprak zu Gast beim Querdenkerabend

Am Donnerstag, 27. Okt. stellte sich Ahmet Toprak beim Querdenkerabend  in der Kommende den Fragen nach nach Gewalt- und Geschlechtererziehung bei muslimischen Migranten. Seine Ausführungen enthielten durchaus Überraschendes:

Bei den Einstellungen zur Gewalt in der Erziehung und zur Rolle der Frau liegen Deutsche und türkeistämmige Migranten mitunter näher beieinander, als es nach außen hin scheinen mag. Prof. Dr. Ahmet Toprak, Erziehungswissenschaftler an der FH Dortmund und Autor zahlreicher Bücher, belegte das beim „Querdenkerabend“ in der Kommende mit Zahlen aus einer entsprechenden Untersuchung. Maßgeblich sei die konservative Haltung in der einen wie der anderen Bevölkerungsgruppe. Während allerdings die Anwendung von Gewalt nicht religiös legitimiert werden könne, weder im Christentum noch im Islam, verhalte es sich bei der Geschlechterfrage doch ein wenig anders. Toprak bescheinigte allen drei Buchreligionen, also auch dem Judentum, eine Frauen diskriminierende Grundposition zu vertreten.

Als Begründung für seine Thesen zur gesellschaftlichen Situation in heutiger Zeit führte der Professor im Fachbereich für Angewandte Sozialwissenschaften unter anderem an, dass in vielen deutschen Familien keine wirkliche Geschlechtergleichheit herrsche, was sich unter anderem bei der Aufteilung der öffentlich geförderten Erziehungszeiten zeige. Ebenso seien die Steuergesetze darauf ausgelegt, Frauen zu benachteiligen und das klassische Rollenverständnis zu verstetigen. Während auf der einen, der deutschen Seite, also die Ungleichheit eher verdeckt bleibe, werde sie in zahlreichen konservativ-islamischen Familien offen praktiziert und vertreten. Zu welchen, wohl eher ungewollten, Folgen dieses Verhalten führt, zeigt sich nach Topraks Darstellung am Verhalten vieler türkeistämmiger Mädchen: Erzogen zu Respekt vor Autoritäten, Fleiß, Pünktlichkeit und Unterordnungsbereitschaft verhalten sie sich zu Hause und in der Schule brav und angepasst. Das bringt ihnen häufig gute Noten und Abschlusszeugnisse ein, mit denen sie der ansonsten frühzeitig anstehenden Heirat entgehen können, indem sie das Elternhaus verlassen, um ein Studium zu beginnen. Das empfinden zahlreiche Mädchen als „Befreiung“. Dagegen würden Jungen freier erzogen; in den Familien werde es hingenommen, wenn sie sich gelegentlich daneben benehmen. Dahinter stecke die Überzeugung, so der Gast des Abends, dass sich ein echter Mann und späterer Familienvater auch mal ausleben müsse, selbst wenn er dabei das eine oder andere mal über die Stränge schlägt.

Im Gespräch und auch auf Nachfrage von Gastgeber Richard Geisen, wie es sich denn mit empirischen Ergebnissen zu Topraks Thesen verhalte, wies der Dekan an der Fachhochschule auf eine Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2005 hin, bei der deutsche, türkeistämmige und russischstämmige Kinder und Jugendliche zu ihrer Erfahrung mit Gewalt in der Erziehung befragt worden seien. Da die Gruppe derer, die von eigene Gewalterfahrungen berichteten, in allen drei Gruppen – entgegen den Erwartungen – sehr nah beieinander und mit rund 40 bis 46 Prozent auch sehr hoch gelegen habe, sei das Ergebnis zunächst nicht veröffentlicht worden. Erst drei Jahre später, nach nochmaliger Überprüfung mit gleichen Resultaten, sei die Veröffentlichung nachgeholt worden. Die Studie ist nach Ansicht des Experten ein Beleg für die Erkenntnis, dass Gewalt keineswegs abhängig ist von der Kultur, sondern vom Milieu.

Der Hintergrund der Migranten, die Deutschland in den 60er und 70er Jahren in der Türkei angeworben hat, bedürfen ohnehin einer besonderen Betrachtung, verdeutlichte Toprak. Über 55 Prozent der Frauen waren Analphabeten, „und die Hälfte der Männer auch“. Zudem ergänzte Toprak: „Die Menschen waren arm, arbeitslos und suchten eine Perspektive“. Viele von ihnen gehörten dem Islam an, lebten aber eine tradierte Alltagsform einer Religion, mit deren Inhalten sie nicht sonderlich vertraut waren. Da sich zahlreiche Migranten in ihrem neuen Zuhause nicht heimisch fühlten, schotteten sie sich ab und verstärkten dabei ihre ohnehin schon konservativen Ansichten.

Abzugrenzen von solchen Haltungen sei der Salafismus, dessen Anhänger einen Islam leben wollen „wie zu Mohammeds Zeiten“, erklärte Toprak. Diese religiöse Richtung im Islam biete mit ihrer Askese und Kleidervorschriften Potenzial, um in der Gesellschaft zu provozieren. Daher ist aus Sicht von Toprak der Salafismus zunächst einmal Teil der jugendlichen Protestkultur. Für manche junge Menschen sei diese Auslegung des Islam auch deshalb ansprechend, „weil sie auf komplexe Fragen einfache Antworten gibt“. Zudem biete sie eine Alternative zu dem hohen Maß an Materialismus der heutigen Zeit, unterstrich Toprak. Während er durchaus die Frage aufwarf, ob nicht ein Rechtsstaat wie die Bundesrepublik in der Lage sein müsse, solche Gruppierungen zu tolerieren, zeigte der Wissenschaftler aber Grenzen auf. Nicht mehr akzeptabel sei nämlich ein aggressiv werbender oder ein Gewalt verherrlichender Salafismus.

Theo Körner, Dortmund 

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