Sozialinstitut
Kommende Dortmund
Brackeler Hellweg 144
D-44309 Dortmund
Telefon 0231 - 20605-0
Telefax 0231 - 20605-80



Impressum
 
Home

Ökonomie-Professorin Silja Graupe: Bildung darf nicht allein an Wirtschaftsprinzipien ausgerichtet sein

Da absolvieren Studierende ein Betriebspraktikum und wollen am Ende eigentlich nur wissen, wie gut denn die Zeit in ihre berufliche Biographie passt. Junge Uniabsolventen erkundigen sich schon gleich bei der ersten Stelle, wie es um die Chancen für einen Dienstwagen bestellt ist, hingegen haben sie wenig Fragen zum gewünschten Umgang mit Kunden. Solche Reaktionen erleben mittelständische Firmen mehr und mehr, berichtete Silja Graupe, Wirtschaftswissenschaftlerin an der noch jungen Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues und zu Gast in der Dortmunder Kommende, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Die Beispiele zeigen nach ihren Worten durchaus plakativ die Grenzen von Inhalt und Lehre in den Wirtschaftswissenschaften. Die Ursache liege einer inhaltlich und methodisch mangelhaften ökonomischen Bildung einerseits und der übertriebenen „Ökonomisierung der Bildung“ andererseits, so die Vizepräsidentin der Hochschule in freier Trägerschaft beim Abend in der Reihe „Profilierte Querdenker im Interview“. Die Qualität von Schulen und Hochschulen werde ganz allein nach modularisierter Leistung und quantitativem Ergebnis bemessen. Das habe entsprechende Folgen für das Denken und Handeln der Studierenden. Trotz der Ideologie der marktförmigen Verwertbarkeit gelinge es dem an abstrakten Modellrechnungen orientierten Ökonomiestudium häufig nicht, die Arbeitsmarktfähigkeit der Absolventen zu garantieren.

Die Initiatoren der Hochschule in Bernkastel-Kues, zu denen die Referentin gehört, schlagen einen alternativen Weg ein und setzen andere Akzente, indem sie den Menschen als sich bildendes Wesen in den Mittelpunkt rücken. Die Studierenden sollen sich nicht nur Wissen aneignen, was letztlich dazu führe, dass sie sich die immer gleichen Standardmodelle des Neo- oder Wirtschaftsliberalismus zu Eigen machen, so Graupe. Den jungen Menschen solle und müsse auch Gelegenheit zur (Selbst-)Reflexion und zur kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Wirtschaftslehren gegeben werden. Nur die Erfahrungs- und Kontextorientierung der ökonomischen Bildung könne der Marktgläubigkeit und einem rein quantitativen Denken den Sinn für Qualität und kritisches Herangehen hinzufügen. Das Studium solle Zeit und Raum für Perspektivwechsel geben und ermöglichen, sich bewusst und begründet für eine eigene Position zu entscheiden. Die Ausrichtung von Bildung allein nach wirtschaftlichen Kriterien ist nach Graupes Darstellung ein Phänomen, das längst nicht nur in Deutschland oder Europa sondern weltweit zu beobachten sei. Für die Wirtschaftswissenschaften habe es zur Folge, dass die Disziplinen mittlerweile vollkommen vereinheitlicht seien und es quasi keinen Unterschied mache, ob man in Paris, New York oder wo auch immer auf dem Globus studiere.

Diese festgezurrte Vereinheitlichung sei deshalb so problematisch – so die Referentin – weil letztlich ein neoliberales Wirtschaftsverständnis davon ausgehe, das glaubt, ohne Demokratie und politisch entschiedene Ordnungsvorgaben auskommen zu können. Damit habe die Entwicklung gesamtgesellschaftliche Dimensionen. Entscheidungen sollen demnach sehr bewusst den Gesetzen des Marktes überlassen werden, der die richtige Richtung vorgebe. Die sogenannte „financial education“, die junge Leute fit machen solle für wirtschaftliches Denken, habe allerdings eine deutliche Schattenseite. Laut dieser Lehre, ist derjenige, der aus welchem Gründen auch immer scheitert, selbst schuld an seiner misslichen Lage.

Für die Universitäten führe die extreme Leistungsorientierung und die Abhängigkeit von Drittmitteln, also von Sponsoren, die eine Hochschule aufgrund erbrachter Resultate unterstützen, ebenfalls zu erheblichen Konsequenzen. Denn der freie und offene Wettbewerb unter den Hochschulen bleibe auf der Strecke, unterstrich die Professorin auf Nachfrage von Moderator Richard Geisen.

Eng verquickt mit dem Leistungsbewusstsein ist nach Darstellung der Wissenschaftlerin auch das Wachstumsdenken. Schleichend habe es als eine wirtschaftliche Größe an Bedeutung gewonnen; noch in den 50er und den beginnenden 60er Jahren sei der Begriff Wachstum hauptsächlich als Bezeichnung für biologische Prozesse verwendet worden. Doch inzwischen müsse man fragen, auf was sich wirtschaftliches Wachstum bezieht und wohin es führen soll. Es werde mehr und mehr zu einer Formel, die sich verselbstständige. Man habe es heute mit einem ziellosen Verändern zu tun, wodurch es in Schulen, Universitäten und auch in der Medizin zu ständigen Umwälzungen und Veränderungen komme, deren Sinn nicht mehr vermittelbar sei.

Cusanus Hochschule

- Die Cusanus Hochschule wurde vor einem Jahr gegründet und hat bislang vier Studiengänge im Bereich Wirtschaft und Philosophie.

- Die Einrichtung macht auf die Situation aufmerksam, dass akademische Bildung sich nur dann für die Belange des Gemeinwesens einsetzen, wenn sie unabhängig von staatlichen, wirtschaftlichen, weltanschaulichen Interessen ist.

- Momentan erhält die Hochschule weder Geld vom Staat noch will sie gewinnorientierten Investoren dienen. Sie hat vielmehr eine Aktion gestartet, um private Förderer zu finden.

(Dieser Bericht von Theo Körner erscheint demnächst ausführlich im DOM, der Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn)

Sozialinstitut Kommende Dortmund
 
Suche auf der Homepage  
 
 
 
Unternehmerpreis 2018
 
k.punkt. Das Magazin

 
Kommende-Stiftung

 
beneCurans

beneCurans

 
Amosinternational
AMOSinternational
 
Praktika in der Kommende

 
Bildungsplattform

 
Bibelkurs24