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Pluralität - zwischen Aufspaltung und Zusammenhalt

Am Donnerstag, den 22. Februar, war der Bildungsphilosoph Matthias Burchardt in der Kommende zu Gast. Vor mehr als 90 Gästen stellte er sich in der Reihe „Profilierte Querdenker im Interview“ den Fragen von Richard Geisen und der Diskussion mit dem Publikum. Matthias Burchard ist bekannt als Kritiker der Bildungsreformen im Namen von PISA und Bologna. Auch zu Fragen der Digitalisierung von Schule und Lernen vertritt er eine kritische Position. Er ist Mitbegründer und stellv. Geschäftsführer der Gesellschaft für Bildung und Wissen sowie wissenschaftlicher Beirat und Autor des Internet-Magazins Rubikon (rubikon.news). Dort kann auch seine für den NRW-Landtag verfasste Stellungnahme „Zur Krise der Demokratie“ nachgelesen werden. An gleicher Stelle erschien 2017 sein Essay „Angriffe auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die von links wie rechts geschürten Identitätsillusionen zerstören das, was Gesellschaft ausmacht.“

Als Einstieg in den Kommende-Abend machte Burchardt deutlich, dass Querdenken auch heißen muss, eigene Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen und den "blinden Flecken" im eigenen Denken auf die Spur zu kommen. So sei z.B. der gegenüber  links- und rechtsextremen Parteien oft erhobene Vorwurf des Populismus kritisch zu hinterfragen: Die Orientierung am Volk (lat. populus; griech. demos) sei doch eher eine zu wenig ernst genommene Grundlage der Demokratie. Sehr viel beunruhigender sei das Schwinden übergreifender Wahrheiten (bzw. deren Akzeptanzverlust) - selbst in den Medien, der Wissenschaft, der Bildung und unübersehbar auch in der Politik. Die Durchsetzung einzelner Interessen und der wachsende Lobbyismus habe dem neoliberalen Ökonomismus in allen Feldern zum Durchbruch verholfen. In der Folge drifte die Gesellschaft im Hinblick auf den materiellen und sozialen Lebensstandard, bezogen auf Sicherheit und Prekarität der jeweiligen Lebenssituationen immer weiter auseinander. Gleichzeitig sei die Erosion früherer "Sinn-Instanzen" (Kirchen, Gewerkschaften,NGO's, Wissenschaft, öffentlich-rechtliche Medien als vierte Gewalt) unübersehbar.

Angesichts dessen hätten sich die Parteien viel zu lange mit Symbolpolitik und der Durchsetzung von sogenannter political correctness begnügt - meist mit dem Ziel, die kulturelle Liberalität und die Vielfalt der Lebens- und Denkweisen abzusichern. Hintergrund sei u.a. eine durch den philosophischen Poststrukturalismus geprägte postmoderne Denkweise und Politik-Strategie. Sie verzichte allzu leichtfertig auf einen übergreifenen Bezugsrahmen und einen verbindlichen Hintergrund allgemein geltender Regeln und Wahrheiten (im Kantischen Sinne). Dieses kulturelle Liberalisierungsprogramm bekomme aber die entscheidenden gesellschaftlichen Bruchlinien nicht in den Blick. Letztlich sei die Politik (nicht zuletzt auch die der Sozialdemokraten) sogar zur Fortsetzung des globalen wirtschaftlichen Neoliberalismus verkommen, indem Privatisierung, Wettbewerb, Marktprinzip auch auf die Bereiche der öffentlichen Daseinsfürsorge, der kommunalen Verwaltungen, des Gesundheitswesens, des Bildungssystems usw. übertragen worden seien. Aufwendige politische Diskurse und Gesetzgebungsverfahren, die die sprachliche Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen unterbinden und eine allseits toleranten Multikulturalismus absichern wollten, stünden da in Gefahr, zur bloßen Symbolpolitik zu verkommen.

Burchardt mahnt dringend, die Suche nach und die Entscheidung für alternative Wege an. Sie müssten den Werten von Humanismus und Aufklärung verpflichtet sein. Es müssten demokratischere Wege sein, die zu mehr materieller Gerechtigkeit, zur Stärkung sinnstiftender Gemeinschaften, zur Einübung von direkten pädagogischem und politischem Kommunikationsformen in der Schule (statt Vereinzelung durch Digitalisierung) beitragen. Nicht zuletzt müssten Minderheitenschutz und Rücksicht auf die jeweiligen Verlierer wieder hochgehalten werden als  Gradmessern einer demokratischen Gesellschaft.      

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