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Sicherheit in Deutschland - Ende der Willkommenskultur?

Jörg Heinrichs, Gregor Lange, Franz-Josef Chrosnik und Prälat Dr. Peter Klasvogt (v.l.)

 

„Nun bin ich beruhigt.“ so lautete das Fazit einer Teilnehmerin der Veranstaltung „Sicherheit in Deutschland – Ende der Willkommenskultur?“. Die Kommende Dortmund und Ihre Kooperationspartner, der Paderborner Diözesanverband des KKV, Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, und der Verein der Freunde und Förderer der Kommende hatten am Montag, den 30. Mai 2016 zu dieser aktuellen und spannenden Thematik eingeladen. Über 130 Interessierte waren der Einladung in die Räumlichkeiten der Kommende Dortmund gefolgt, bei der die drei Referenten unterschiedlichste Facetten des Themas beleuchteten.

Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor der Kommende Dortmund und Gastgeber der Veranstaltung, führte in seinen Einführungsworten kurz und prägnant in das Thema ein, indem er das Spannungsfeld zwischen der Willkommenskultur zum einen und der Angst um die eigene Sicherheit zum anderen beleuchtete. Daraus stellen sich zwangläufig die Fragen: Bedeutet das Empfinden von Unsicherheit eine Gefahr für unsere Willkommenskultur? Kann der Staat die neuen Herausforderungen überhaupt noch bewältigen?

Der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange zeigte zur Verdeutlichung hierzu kurz die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Monate auf. Zwischen den Bildern begeisterter Helfer im September 2015 am Dortmunder Hauptbahnhof, die Flüchtlinge klatschend empfingen, und den Bildern der Kölner Silvesternacht lagen nur wenige Wochen, in denen die Stimmung gegenüber den Asylbewerbern sich jedoch radikal verändert und die massive Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung gehabt habe. Hierzu habe auch die undifferenzierte Berichterstattung in den Medien beigetragen. Während im September 2015 die Darstellung vor allem positiv war und Probleme eher verdrängt wurden, habe die Analyse der Flüchtlingssituation nach der Silvesternacht in Köln ins Gegenteil umgeschlagen. Die Frage, ob diese neue Bewertung sich statistisch belegen ließe, konnte der Polizeipräsident entschieden verneinen. In Dortmund sei kein Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen. Im Gegenteil: Insgesamt sei die Zahl der Straftaten um 3 % gesunken. Die „gefühlte“ Sicherheitslage stelle sich durchaus anders dar. Polizeipräsident Lange unterschied in seinem Impulsvortrag deshalb ausdrücklich zwischen der objektiven Sicherheitslage und dem subjektiven Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger und mahnte statt in Hysterie zu verfallen zur Sachlichkeit zurückzukehren.

Seine alltäglichen Erfahrungen mit Flüchtlingen stellte Franz-Josef Chrosnik, Leiter der Caritas Flüchtlingsschiffe im Dortmunder Hafen, dar. Seine Ausführungen erlaubten den Teilnehmern einen eindrucksvollen Einblick in die konkrete Arbeit mit Flüchtlingen, bei der er immer wieder darauf hinwies, wie wichtig es sei, die Flüchtlinge mit ihren Sorgen und Nöten auf Augenhöhe zu respektieren. Daher habe es sich die Caritas zur Aufgabe gemacht in der täglichen Arbeit den Grundsatz des christlichen Menschenbildes zu beherzigen, nachdem jeder Mensch von Geburt an mit Würde ausgestattet sei. In den Begrüßungsrunden erkläre man deshalb den Neuankömmlingen zuerst die Grundsätze des Zusammenlebens auf den Flüchtlingsschiffen. Unter anderem auf diese konkrete Wertebasis führte Franz-Josef Chrosnik auch die Tatsache zurück, dass es bisher kaum Auseinandersetzungen auf den Flüchtlingsschiffen gegeben habe, obwohl dort über 100 Menschen aus 16 verschiedenen Nationen auf engstem Raum zusammenleben.

Integration ist keine Einbahnstraße

Damit sich Flüchtlinge auch in die hiesige Kultur und Gesellschaft integrierten können, bedarf es der Begegnungen von Flüchtlingen mit der ortsansässigen Bevölkerung. Nur im Austausch über gemeinsame Erfahrungen und im direkten Kontakt miteinander, sei es den Flüchtlingen möglich die kulturellen Gepflogenheiten kennenzulernen und sich mithilfe dieser Erfahrungen dann auch zu integrieren, so Franz-Josef Chrosnik. Integration sei somit keine Einbahnstraße, sondern immer auch Aufgabe der Gesellschaft.

Der Dortmunder Amtsgerichtspräsident Jörg Heinrichs, beleuchtete in seinem Impulsvortrag vier Aspekte der Thematik aus Sicht seiner Behörde. Als erstes erläuterte er den administrativen Mehraufwand seiner Behörde, da die Asylbewerber für Ihre Asylanträge eine Beratungshilfe beantragen können. Hierbei betonte er jedoch, dass im Gegensatz zu den üblichen Antragsstellern die Asylbewerber vor allem durch ihren freundlichen und höflichen Umgang und große Dankbarkeit auffallen würden. Ein zweiter wesentlicher Berührungspunkt des Amtsgerichts seien die Entscheidungen nach dem Familienrecht bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die vor allem im vergangenen Jahr einen erheblichen Anteil, der Arbeit ausgemacht habe. Zudem erläuterte er kurz die Praxis der Abschiebehaft in Büren sowie eine kurze Übersicht über die Strafprozesse gegen Flüchtlinge. Amtsgerichtspräsident Heinrichs stellte vor allem den häufig fälschlich dargestellten Sachverhalt des „beschleunigten Verfahrens“ klar, das in der Praxis nur selten anwendbar sei, in der Öffentlichkeit jedoch immer wieder gefordert würde. Auch er könne keine signifikante Gefährdung der Sicherheitslage durch Flüchtlinge feststellen. Als Beleg für diesen Eindruck führte er an, dass die Anzahl an Strafanzeigen seit 2011 um 20 % rückläufig sei.

In der abschließenden Diskussion stellten sich die drei Referenten den unterschiedlichsten Fragen besorgter Bürgerinnen und Bürger, auf die die Referenten zielgerichtet eingingen, bevor die abschließenden Gespräche beim Imbiss fortgesetzt wurden. Das Fazit des Abends fiel daher auch entsprechend positiv aus: Um die Sicherheitslage in Dortmund ist es gut bestellt und die Aufgabe der Willkommenskultur aus Gründen der Sicherheit ist nicht notwendig.

Die Veranstaltung ist Teil der KKV-Reihe „Christen in Handel und Verwaltung“, die das Sozialinstitut Kommende Dortmund in Kooperation mit dem KKV Diözesanverband Paderborn und dem Verein der Freunde und Förderer der Kommende durchführt. Den Einladungsflyer als pdf zum Download finden Sie hier.

 

 

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