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Künftige Rente birgt soziale Sprengkraft

Düstere Perspektiven für 20 bis 25 Millionen Bundesbürger, die in rund 15 Jahren das Arbeitsleben beenden wollen: Ihre Rente wird gerade mal Grundsicherungsniveau erreichen. Damit bezog sich die Rentenexpertin Dagmar Hühne auf aktuellen Prognosen. In solchen Zahlen stecke erhebliche gesellschaftliche Sprengkraft, betonte die langjährige ARD-Journalistin im Gespräch mit Kommende-Referent Richard Geisen. Bevor die Mitautorin des Spiegel-Bestsellers „Die Vorsorgelüge“ auf mögliche Kurskorrekturen einging, unterzog sie das Rentensystem einer kritischen Analyse. Alle drei Säulen, gesetzlich, betrieblich und privat, weisen zum Teil erhebliche Mängel bei der Tragfähigkeit auf. Die gesetzliche Rente, die nach dem Umlageprinzip funktioniert, bezeichnete Hühne als „genial“, da die Kosten und Risiken gering bleiben. Allerdings führen die Rentenformel und damit auch die Höhe der Beiträge sowie die Anbindung an die Reallöhne dazu, dass ein erhebliches Absinken des Rentenniveaus vorprogrammiert ist. Schon heute liegen die Zahlungen im Durchschnitt 20 Prozent unter den Summen, die noch zu Beginn des Jahrtausends gezahlt wurden. Häufig komme es auch zu Fehlinterpretationen, wenn das Rentenniveau in Relation gesetzt werde. Wenn es beispielsweise heiße, die Höhe der Rente liege bei 40 oder 45 Prozent sei damit nicht der Vergleich zum letzten Einkommen gemeint, sondern der so genannte Eckrentner, also eine fiktive Größe, ein Durchschnittswert.

Den Zeitpunkt Jahrtausendbeginn hatte die Referentin sehr bewusst gewählt, weil damals die rot-grüne Bundesregierung mit Arbeitsminister Riester die für die jetzigen Probleme maßgebliche Rentenreform auf den Weg brachte. Das Gesetzespaket hatte zum einen das Ziel, ein befürchtetes Ansteigen der Rentenbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber einzudämmen, und zum anderen sollte die private Altersvorsorge mit Kapitaldeckung etabliert werden, um mögliche Mindereinnahmen bei der späteren Rente auszugleichen. Doch mit den so genannten „Riesterverträgen“ sind solche Lücken wohl kaum zu stopfen, wie Hühne ausführte. Um nämlich einen Anspruch auf die Höchstbeiträge zu haben, stehe der Versicherte vor kaum überwindbaren Hürden. Unter anderem ist es erforderlich, dauerhaft vier Prozent des Bruttoeinkommens zu überweisen. Und selbst wenn er die Ansprüche erfüllt, erhält der Versicherte gerade mal 100 oder 150 Euro im Monat.

Mit der Reform habe die damalige Bundesregierung auch die Absicht gehabt, die hohen Lohnnebenkosten zu senken, ergänzte Hühne. Dann habe man in Sachen Rente also die Arbeitgeber schonen wollen, gab Richard Geisen zu bedenken, „zu Gunsten der Maschmeyers und anderer“. Nach Ansicht der Journalistin gehören die Versicherungskonzerne durchaus zu den Profiteuren, wobei die Riesterrente selbst gar nicht mal so lukrativ für die Unternehmen sei. Viel Bürokratie und überschaubare Gewinnmargen sind da zwei entscheidende Stichworte. Aber der Abschluss einer Riesterrente sei oft ein Türöffner, um mit dem Kunden noch weitere Verträge abzuschließen.

Erhebliche Einbußen bei der gesetzlichen Rente, dicke Fragezeichen hinter der Effizienz privater Vorsorge: Da bliebe dann noch die Betriebsrente als Standbein. Doch diese Säule verliere immer mehr an Bedeutung; solche Verträge, häufig in Kombination mit Entgeltumwandlung, werden von vielen Firmen überhaupt nicht mehr angeboten, erklärte Hühne.

Eine Empfehlung, wie man sich denn alternativ für das Alter absichern kann, gab die Referentin ganz bewusst nicht, meinte allerdings, dass sich beispielsweise im Bereich Immobilien eine Möglichkeit bieten könnte – je nach individueller Situation.
Hinter Modellen wie der Lebensleistungsrente, die Arbeitsministerin Andrea Nahles jüngst vorgestellt hat, setzt sie große Fragezeichen und bezeichnete sie als „viel heiße Luft“, da auch hier die Anspruchsvoraussetzungen so gestaltet seien, dass häufig geringe Renten die Folge wären.
Die Referentin wies auf die Warnungen der OECD in deren neuen Wirtschaftsbericht hin. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sieht für Deutschland die deutliche Gefahr eines Rückschritts in der Rentenpolitik.
Wie es auch anders gehen kann, zeigt ein Vergleich, den das Magazin Monitor gezogen hat. Auf der einen Seite eine Reinigungskraft aus Deutschland, 41 Jahre beschäftigt, Verdienst von rund 1900 Euro. Sie erhält eine Rente von 750 Euro. Eine österreichische Putzfrau mit 1600 Euro Verdienst bei 35 Beschäftigungsjahren kommt auf 1170 Euro. Die Ursache für die Differenz liegt maßgeblich in den höheren Rentenbeiträgen, die in Österreich 22 Prozent betragen.

Da man aber nun in Deutschland die Beiträge nicht anheben will, sondern nach anderen Möglichkeiten sucht, nannte Hühne folgende Vorschläge:

- Der Kreis derer, die sich an der Umlage für die gesetzliche Rntenversicherung beteiligen, wird erweitert. Bislang zahlen Freiberufler, Selbstständige und Beamte nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein.

- Man könnte auch darüber nachdenken, Vermögen bzw. Kapitalerträge, wie es u.a. in der Schweiz üblich ist, einzubeziehen.

- Ferner müsste man ohnehin den Faktor Arbeit überdenken, der langfristig betrachtet weniger bedeutsam sein wird.

Publikationen:
September 2015: Garantiert beschissen! Der ganz legale Betrug mit den Lebensversicherungen
Westend-Verlag Frankfurt, 2015, 17,99 Euro
ISBN 978-3-86489-094-9

Dezember 2013: Die Vorsorgelüge. Taschenbuchausgabe, Ullstein Verlag 2013, 8,99 Euro
ISBN 978- 3-548-37517-5


Beim nächsten Querdenker-Abend ist Matthias Burchardt zu Gast. Thema: Akteure ohne Mandat – Internationale Organisationen und private Stiftungen machen Bildungspolitik
Termin: 30. Juni, 19.30 Kommende

Theo Körner, Dortmund

(http://koerner-journalist.de)

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