Sozialinstitut
Kommende Dortmund
Brackeler Hellweg 144
D-44309 Dortmund
Telefon 0231 - 20605-0
Telefax 0231 - 20605-80



Impressum
 
Home

Die Spaltung in Arm und Reich in Deutschland: Differenzierte Analyse, provokante Lösungsansätze

Kommende-Dortmund/Frank Passon Die „wachsende Spaltung in Arm und Reich“ – ein Thema, das differenziert zu behandeln immer eine Kunst ist. Dr. Andreas Fisch gelang der Balanceakt im Kommende-Saal vor weit über 100 interessierten Gästen. Er ist Referent für Wirtschaftsethik und Kirchliche Dienstgeber der Kommende Dortmund und als Gastreferent in renommierten Institutionen und Berater zu diversen sozialen Themen ausgewiesen.

Als Auftakt untersuchte Fisch einige populäre Aussagen: Die Fünf Wirtschaftweisen suchten in ihrem Jahresgutachten 2015 durch statistische Kniffe das Ausmaß der Spaltung im Einkommensbereich zu relativieren. Genauso – nur vom politischen anderen Pol her - dramatisiere der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Bericht „Die zerklüftete Republik“ die Armutszuwächse durch gezielte Weglassung bei der Darstellung der Statistik. Schon dieser Auftakt, bei dem Manipulationsversuche von gegensätzlichen Interessensgruppen gekonnt entlarvt wurden, versprach den aufschlussreichen Abend, der es auch werden sollte.

 Teilnehmer lobten in der Diskussion die systematische Präsentation der unterschiedlichen Ursachen für die wachsende Spaltung in Arm und Reich, aber auch die Unverfrorenheit gewagte und originelle Lösungsansätze zu präsentieren, die für alle gesellschaftlichen Gruppen und Richtungen bei diesem Thema Zumutungen beinhalteten. Unter drei Kategorien fasste Fisch die Ursachen zusammen:

- private und demografische Ursachen,

- arbeitsmarktbezogene Ursachen

- und steuer- und sozialabgabenbezogene Ursachen.

So wurde ein Mechanismus im Arbeitskampf mit Streik entlarvt, der die unteren Lohngruppen und die Arbeitslosen benachteilige – eine Zumutung für die anwesenden Gewerkschaftler. Bei der Steuerpolitik wurde mit neuen Zahlen nachgewiesen, dass eine Betrachtung der Gesamtsteuerlast inklusive Sozialabgaben offenbart, wie wenig progressiv das deutsche Steuersystem ist – dies zusammen mit einem Vorschlag zur Unternehmensbesteuerung, der sich an Paul Kirchhof anlehnt, sind Zumutungen für Unternehmer und Wohlhabende. Die eher neutralen Ursachen im Heiratsverhalten, in der sich ändernden Haushaltsgröße und in der Alterung der Gesellschaft machten deutlich, wie vielfältig die Ursachen sind. Allerdings entfalteten nach Fisch die arbeitsmarktbezogenen Ursachen die bei weitem größte Wirkung auf die Spaltung. Dazu präsentierte er Lösungsvorschläge für den Arbeitsmarkt, auch das gerade sich entwickelnde Modell „Neue Einfache Arbeit“ der Dortmunder Wirtschaftsförderung. Einen großen Akzent setzt Fisch auf eine diskriminierungsfreie und fördernde Bildungspolitik für bildungsferne Familien, zeigte aber auch auf, wie anspruchsvoll das vage Ziel „Chancengleichheit“ ist, wenn die Politik gewillt ist, sich auf die zu seiner Umsetzung nötigen Konflikte einzulassen.

Detlef Herbers, stellvertretender Direktor, eröffnete die VeranstaltungKommende Dortmund/Frank Passon Die vom Referenten gewählte Herangehensweise, ethische Orientierungen anzubieten, um anhand ihrer die anschließend präsentierten Fakten zu beurteilen, lud zur anschließenden Diskussion trefflich ein. Sollte ein als gerecht akzeptierter Steuersatz die gleiche Summe, gleiche prozentuale Anteile oder progressiv steigende Anteile erbringen? Hier herrschte im Publikum der Konsens vor, dass die Progressivität zum deutschen Selbstverständnis einer gerechten Besteuerung gehört. Doch schon die Bewertung des Welthandels, der bis zu den Krisenjahren 2007 – so Fisch – trotz aller bestehenden Ungerechtigkeiten besonders im Handel mit Entwicklungsländern und Regimen, mehr Arme über die Armutsgrenze gehoben habe als die weltweite Entwicklungshilfe, traf schon auf deutlichen Widerspruch.

Der für Außenstehende auffälligste Aspekt der angeregten Diskussionen war jedoch ein anderer: Die Sorgen vor den Lobbyeinflüssen der „Anderen“ war deutlich zu spüren. Dagegen wurden diejenigen Ursachen, an denen eine spaltungsmindernde Politik sich auch auf den Geldbeutel der Anwesenden niedergeschlagen hätte, in der Debatte weitgehend totgeschwiegen. Vielleicht liegt darin das Hauptproblem zur Lösung dieses gesellschaftlichen Problemkomplexes: Der abstrakte Konsens besteht nur darin, dass die jeweils anderen ihren Beitrag zur Lösung doch bitte beibringen sollen, denn die eigenen Vorteile im jeweiligen System seien ja nur allzu berechtigt.

Wer bedauert, diesen Vortrag zu diesem gesellschaftlich brisanten Thema verpasst zu haben, erhält in Dortmund eine zweite Chance:

Die wachsende Spaltung in Arm und Reich. Ursachen und Lösungsansätze
am Montag, 18. April 2016, 19 Uhr

Referent: Dr. Andreas Fisch

Ort
Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus von Flüe
Arcostraße 76
44309 Dortmund

Link zur Veranstaltung am 18. April 2016

Publikationsliste von Dr. Fisch zu diesem Thema

Flyer dieser Veranstaltung 

 

Sozialinstitut Kommende Dortmund
 
Suche auf der Homepage  
 
 
 
Unternehmerpreis 2018
 
k.punkt. Das Magazin

 

 
Kommende-Stiftung

 
beneCurans

beneCurans

 
Amosinternational
AMOSinternational
 
Praktika in der Kommende

 
Bildungsplattform

 
Bibelkurs24