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Erben gerecht besteuern - Julia Friedrichs im Kommende-Gespräch

Gefragt, wie denn eine angemessene Erbschaftssteuer aussehen müsste, schloss sich Julia Friedrichs beim Querdenker-Abend in der Kommende einem Vorschlag aus dem Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung an: Erbschaften sollten als eine Einkommensart unter anderen verstanden werden und mit dem progressiven Einkommenssteuersatz belegt werden. Die mögliche Höchstbesteuerung läge demnach bei ca. 45 %. Ein Teil des Erbes müsse allerdings, wie auch jetzt bereits, durch einen ordentlichen Freibetrag geschützt bleiben.

Immerhin werden in Deutschland so Friedrichs, jährlich etwa 250 Milliarden Euro vererbt – mit steigender Tendenz. Die Steuern, die der Staat daraus einnimmt, liegen 2014 bei 5,45 Milliarden Euro, also „bei gerade mal zwei Prozent" – so die Referentin. Die Erbschaftssteuer sei heute im Wesentlichen eine Steuer für Dumme: Neben den hohen Freibeträgen und Verschonungsregeln für Unternehmen gebe es genügend legale Umgehungsmöglichkeiten. Erstaunlich, dass gleichwohl eine große Mehrheit der Deutschen eine höhere Erbschaftsteuer ablehnt, davon betroffen wäre sie jedenfalls nicht. Nur auf dem Hintergrund dieser Ablehnung ist zu verstehen, so Friedrichs, dass sich die Politik – quer durch alle Parteien – so schwer tut, die Erbschaftssteuer neu zu ordnen und konsequent zu erhöhen. Julia Friedrichs berichtet von ihren Gesprächen mit verzagten Politikern, die es sich nicht mit ihren Wählern verderben wollen, obwohl sie die fast einhellige Meinung aus den Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften kennen, dass einer bedrohlichen Spaltung in Arm und Reich nur durch Umverteilung mittels der Erbschaftssteuer wirksam entgegen gesteuert werden kann.

Die jüngste Debatte um die vom Bundesverfassungsgericht erzwungene Reform der Erbschaftssteuer für Familienunternehmen zeige sehr deutlich die Mutlosigkeit der Politik und die Stärke der Unternehmerlobby. Es werde der Eindruck erweckt, als würden die Unternehmen direkt besteuert und als stünde eine große Anzahl von Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Von beidem könne aber in Wahrheit keine Rede sein. In Deutschland werde die Familie als Keimzelle der Gesellschaft hoch gehalten und gelte als besonders schützenswert. Im Fall der Eigentümerfamilien führe das bisher fatalerweise zu einer fast vollständigen Verschonung bei der Erbschaftssteuer. Der Journalistin und Buchautorin Friedrichs geht es allerdings nicht nur um die Steuerdiskussion. Sie spricht auch über ihre persönlichen Begegnungen mit den Erben großer Vermögen. Bei ihren Gesprächen sei sie vielfach auf Menschen getroffen, die sich selbst und ihren Wohlstand in Frage stellen, die zum Teil große Scham empfinden angesichts der Geldbeträge oder der materiellen Werte, die sie ohne irgendein eigenes Verdienst geerbt haben. die Erbschaft eines übergroßen Vermögens könne durchaus auch zur Last werden. Belastend seien vor allem erbitterte Erbstreitigkeiten, die Selbstzweifel angesichts der mit dem Besitz verbunden Verantwortung und häufig auch die Frage, welche besonderen Leistungen man sich selbst abverlangen müsse, um sich des Ererbten würdig zu erweisen.

Nicht zuletzt verweist Friedrichs auch auf die unterschiedlichen Stiftungen reicher Erben, die zum Teil von freiwilligem gesellschaftlichem Engagement zeugen, zum Teil aber auch von einem cleveren Management zur Sicherung des Unternehmensbestands, zur Vermeidung von Erbschaftsstreitigkeiten oder einer Erbschaftsbesteuerung. Friedrichs mahnt bei den Stiftungen vor allem eine höhere Transparenz an, und die Möglichkeit der Kontrolle durch demokratisch legitimierte Instanzen.

Julia Friedrichs, die in Dortmund Journalistik studiert hat, hat zum Thema ein viel beachtetes Buch geschrieben: „Wir Erben. Was Geld mit Menschen macht“. Berlin Verlag, Berlin 2015, 320 Seiten, ISBN 978-3-8270-1209-8, 19,90 Euro,
Zur Person: https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Friedrichs

 

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