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Freiwillig arbeiten bis 70 – eine Option gegen den Fachkräftemangel

Unsere Gesellschaft unterliegt seit Jahren einem tiefgreifenden Wandel. Auch vor dem Arbeitsmarkt macht dieser Wandel nicht Halt. Aufgrund des Rückgangs der Geburtenzahlen und der steigenden Lebenserwartung wird die Zahl der Arbeitskräfte zukünftig weiter zurückgehen. Die Folge: eine stärkere Belastung der Sozialsysteme. Viele Wissenschaftler fordern daher schon seit Längerem, das gesetzliche Rentenalter dynamisch an die Entwicklung der Lebenserwartung anzupassen und mehr Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit zu schaffen. Anfang des Jahres 2015 hat Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, einen neuen Vorschlag zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen unterbreitet. Weises Plädoyer für eine freiwillige Verlängerung der Arbeitszeit bis 70 Jahre wird seitdem kontrovers diskutiert, hat jedoch auch viel Zuspruch gefunden.

Wie lassen sich die Potenziale älterer Arbeitnehmer besser nutzen? Und warum ist eine Reform des Renteneinstiegsalters so dringend notwendig? Mit diesem Themenkomplex, der die Zukunft des Arbeitsmarktes in Deutschland maßgeblich mitbestimmen wird, befasste sich das aktuelle „Kommende-Forum“ am Dienstag, den 23. Juni 2015. Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, skizzierte die komplexe Situation des Arbeitsmarktes in den verschiedenen Regionen von NRW und stellte klar, dass „Arbeiten bis 70“ nur eine von mehreren Antworten sein könne, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Zu dem Maßnahmenkatalog gehöre zum Beispiel, die Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss zu verringern und die Übergänge in die Berufswelt zu verbessern. Es gebe immer noch viel zu hohe Abbrecherquoten bei Auszubildenden und Studierenden. Darüber hinaus müsste Menschen ab 55 Jahre die Wiedereinstellung nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit erleichtert werden. Ein „Arbeiten bis 70“ sei nur dann möglich und sinnvoll, wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen: Indem das Unternehmen etwa für gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen sorgt und Anreize für eine Weiterbeschäftigung bietet.

Diese beiden Aspekte betonte auch Dr. Alexander Spermann vom „Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit“ (IZA). Insbesondere verwies er auf eine der drängendsten Herausforderungen unserer Gesellschaft: den demographischen Wandel. Das Verhältnis zwischen Senioren und Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter werde sich in den nächsten Jahren nämlich drastisch verschlechtern. Neben einem Anreizsystem für Arbeitgeber und Arbeitnehmer müsse auch eine höhere Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt angestrebt werden, und zwar vor allem im Vollzeit-Bereich. Spermann sprach sich darüber hinaus für eine Förderung der Zuwanderung von Qualifizierten aus EU- und Nicht-EU-Staaten aus. Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit sei für unsere Gesellschaft von existenzieller Wichtigkeit. Erreichen könne man dies nicht zuletzt auch durch einen früheren Berufseinstieg und verkürzte Ausbildungs- und Studienzeiten. Längeres Arbeiten bis 70 lohne sich bereits jetzt finanziell – hier müsse das bisherige System stark reformiert werden, da es viel zu komplex sei. Spermann sparte auch nicht mit Kritik an der gegenwärtigen Politik: die Verabschiedung der Rente mit 63 gehe in die völlig falsche Richtung und sei nichts anderes als ein „Wahlgeschenk“ gewesen. Der hochinteressante und nachdenklich stimmende Abend zeigte: In Politik und Gesellschaft besteht dringender Reformbedarf, damit die Zukunft unseres Arbeitsmarktes angesichts der tiefgreifenden Herausforderungen wie etwa dem drohenden Fachkräftemangel gesichert werden kann.

Stefan Klug

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