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Kommende-Aktuell: „Nicht Sterbehelfer, sondern Lebensbegleiter“

Sterbehilfe oder Lebensbegleitung? – unter diesem kontroversen Titel stand eine hochaktuelle Abendveranstaltung der Kommende, bei der am 4. Mai 2015 über 120 Zuhörer/innen den Ausführungen dreier renommierter Experten aus der Palliativmedizin, der Rechtswissenschaft und der Medizinethik gebannt folgten und anschließend mit ihnen diskutierten. Das hohe Interesse an diesem Thema verwunderte nicht, beginnen doch in diesen Wochen die Beratungen im Deutschen Bundestag über eine gesetzliche Neuregelung der Palliativversorgung. Im Zentrum der unterschiedlichen Positionen steht die fundamentale Frage, inwieweit bei der Begleitung eines Sterbenden auch die Möglichkeit des assistierten Suizids erlaubt sein soll.

(v.l.n.r.) Prof. Wolfram Höfling, Detlef Herbers, Dr. Horst Luckhaupt, Dr. Matthias Thöns, Steffen Kanitz MdB, Prälat Dr. Peter Klasvogt

In einer kurzen Einführung schilderte der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Kanitz die Problematik dieser Frage aus Sicht der Berliner Politik, wobei er insbesondere auf die weitgehende Einigkeit der Parlamentarier etwa über den Ausbau der Palliativversorgung und gegen die Aktivitäten sogenannter „Sterbehilfevereine“ hinwies. Als erster Referent gab Dr. Matthias Thöns, Arzt für Palliativmedizin und stellv. Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), aus medizinischer Perspektive einen Überblick über die Debatte um den assistierten Suizid. Thöns sprach sich gegen ein Verbot aus und betonte, dass eine gute Palliativversorgung dieses Problem verhindern könne, denn der Sterbewunsch eines Menschen lasse sich dadurch in den allermeisten Fällen abwenden. Der Kölner Staatsrechtler Prof. Dr. Wolfram Höfling, Mitglied im Nationalen Ethikrat und stellv. Vorsitzender der deutschen Hospizstiftung, sorgte in seinem Beitrag für notwendige begriffliche Klärungen, da die verschiedenen Definitionen und Formen von „Sterbehilfe“ in der öffentlichen Diskussion oft missverständlich verwendet würden. Höfling rekurrierte insbesondere auf die Selbstbestimmung des Patienten und unterstrich dabei die Wichtigkeit der Patientenverfügung, wobei der Aspekt der Beratung hier viel stärkere Berücksichtigung finden müsste. In seinem medizinethisch orientierten Beitrag verwies Dr. Horst Luckhaupt, Chefarzt der HNO-Klinik am St. Johannes-Hospital Dortmund und Vorsitzender des diözesanen Ethikrates im Erzbistum Paderborn, zunächst auf die Verdrängung des Sterbens ‒ dies sei in der heutigen Gesellschaft leider weit verbreitet. Hinsichtlich des assistierten Suizids warnte er vor einem Dammbruch, denn hier bestünde die Gefahr, dass Druck auf die Patienten ausgeübt werden könne. Für den Umgang mit sterbenden Menschen plädierte Luckhaupt für ein „liebevolles Unterlassen“, wobei allerdings der Abschluss einer Vorsorgevollmacht unabdingbar sei und eine gute Basisbetreuung des Patienten sichergestellt sein müsse. Wichtig sei in jedem Fall, die Patienten nicht allein zu lassen, ihren etwaigen Sterbewunsch ernst zu nehmen und ihnen mit authentischer Empathie zu begegnen.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden gleich mehrere Aspekte in den Mittelpunkt gerückt, wo in unserer Gesellschaft beim Thema „Sterbehilfe“ noch viel Handlungsbedarf besteht: Angebote von aktiver Sterbehilfe, die das Selbstbestimmungsrecht der Patienten gefährden, müssten unter Strafe gestellt werden. Stattdessen gehe es darum, die Würde von kranken und behinderten Menschen im Sinne des Lebensschutzes wirksamer zu verteidigen. An die Politik erging die Aufforderung, die durchaus vorhandenen finanziellen Mittel besser zu verteilen, sodass eine Palliativversorgung möglichst vielen Patienten zugutekommen könne. Vor allem aber stellt sich die Frage, wie Sterbende kompetent und angemessen begleitet werden können ‒ insbesondere diejenigen, die in ihrem Umfeld keine Menschen zur Begleitung haben. Hier komme den Kirchengemeinden eine wichtige Aufgabe zu, nicht zuletzt auch in spiritueller Hinsicht. Diese Frage betreffe schließlich auch die christlichen Krankenhäuser ‒ im Sinne einer neuen Krankenhauskultur ‒ und damit verbunden die Schulung von Ärzten, damit Sterbende in einer würdevollen Umgebung behandelt werden. Ein Teilnehmer brachte das Anliegen dieser nachdenklich machenden Diskussionsveranstaltung abschließend auf den Punkt: Unsere Gesellschaft müsse die Sterbenden und ihre Angehörigen besser im Blick haben ‒ „nicht als Sterbehelfer, sondern als Lebensbegleiter“.

Stefan Klug

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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