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Vom Sieg des Kapitalismus – Über Geld, Wachstum und Krisen

Ulrike Herrmann hat im vergangenen Jahr ein viel beachtetes Buch mit dem Titel „Der Sieg des Kapitals“ veröffentlicht. In der Reihe „Profilierte Querdenker im Interview“ stellte sie ihre Thesen am vergangenen Donnerstag in der Kommende vor mehr als hundert  interessierten Besuchern zur Diskussion. Mit knappen, doch höchst informativen Ausführungen zeichnete sie zunächst die unvergleichliche Erfolgsgeschichte des Kapitalismus nach. Die Errungenschaften eines modernen Sozialstaats, die Entwicklung der Demokratie und  Vieles andere seien ohne den Quantensprung von der  vormodernen, relativ statischen Versorgungs- und Geldwirtschaft hin zur technisch innovativen Kreditwirtschaft nicht denkbar. Andererseits könne der Kapitalismus mit all seinen Wohlstandsfolgen auf Dauer nur unter den Bedingungen des Wachstums funktionieren. Angesichts endlicher Ressourcen und drängender Umweltprobleme sei jedoch für die Zukunft mit einer absoluten Grenze des Wachstums und folglich dem Ende des Kapitalismus rechnen.

Gleichwohl gebe es trotz aller Krisen bisher keine tragfähigen Konzepte und auch keine nennenswerte Forschung zu der Frage, wie die heutige Wachstumswirtschaft in ein Gleichgewichtswirtschaft ohne Wachstum transformiert werden könne. So bleibe vorläufig nur die Möglichkeit, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass die Finanz- und Eurokrisen, die Konjunktur- und Wachstumskrisen eingedämmt oder besser vorbeugend vermieden werden: Es gehe dabei keineswegs darum, das Casino der Reichen zu retten, sondern um den Schutz vor katastrophalen Entwicklungen für den sozialen und materiellen Besitzstand aller Bevölkerungsschichten, aber auch um den Fortbestand von Demokratie und zivilgesellschaftlicher Strukturen. Die beiden derzeit wichtigsten, in der deutschen Politik jedoch weithin verkannten Instrumente zum Erhalt einer florierenden Wirtschaft und leidlicher sozialstaatlicher Strukturen seien kräftige Lohnerhöhungen und mutige staatliche Investitionsprogramme, auch um den Preis einer steigenden Verschuldung, besser jedoch aus den Mitteln einer deutlich höheren Besteuerung von Spitzeneinkommen sowie der unvorstellbar hohen Vermögen und Erbschaften der Superreichen.

In der regen und zum Teil kontrovers geführten Diskussion ging es u.a. um das Maß an Wettbewerbsorientierung und Marktförmigkeit der deutschen Volkswirtschaft; beides wird von der Referentin als sehr gering veranschlagt. Auch für die aus dem Publikum vorgetragenen Positionen, dass sich die ökologischen Grenzen durch Beschränkung auf „grünes“ Wachstum irgendwann erübrigen könnten, oder dass durch den Umstieg auf eine alternative Finanz- und Kreditwirtschaft (etwa nach dem Freigeld-Modell des Sozialreformers Silvio Gesell) Wachstumszwang und krisenhafte „Finanzblasen“ überwunden werden könnten, ließ die Referentin nicht gelten: Ohne immer neue Schulden, ohne aktive Steuerung der Geldbewertung (Inflation/Deflation) durch die Zentralbanken, ohne staatliche Subventionen und Investitionen, vor allem aber ohne immer neue Gewinnerwartungen der wirtschaftlichen Akteure, sei es aufgrund steigender Nachfrage, sei es aufgrund technischer Rationalisierungspotentiale, könne der Kapitalismus nicht funktionieren.

Insgesamt erweist sich Ulrike Herrmanns Analyse als ebenso realistisch wie pessimistisch: Einen Ausweg aus dem Gehäuse des sowohl erfolgreichen als auch letztlich zerstörerischen Kapitalismus weist sie nicht.

Für Interessierte sei das – auch für wirtschaftswissenschaftliche Laien verständliche - Buch von Ulrike Herrmann zur Lektüre empfohlen: Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen. Verlag Westend, 19,99 €.

(Richard Geisen)

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