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Teilen ist das neue Besitzen! Zur Renaissance der Genossenschaftsbewegung

 Sind Genossenschaften ein alter Hut oder liegt in dem erstaunlichen Aufwind, von dem die Genossenschaftsbewegung neuerdings getragen wird, auch das Potenzial für gesellschaftliche Veränderung? Um diesen Fragenkomplex bewegte sich das Gespräch mit Dr. Heike Walk von der TU Berlin in der Kommende-Reihe „Querdenker im Interview“.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schultze-Delitsch gelten im ausgehenden 19. Jahrhundert als die Gründungsväter des Genossenschaftswesens. Mit den Prinzipien von Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung suchten die Altvorderen Wege zur Unterstützung der notleidenden ländlichen Bevölkerung oder auch Handwerkerschaft. In den Städten war es vor allem die Arbeiterbewegung, die sich für Bau- und Wohnungsgenossenschaften engagierte, um bezahlbaren, kündigungssicheren und auf Mitmenschlichkeit angelegten sicherzustellen. Heute entstehen neben den traditionellen großen Genossenschaften zahlreiche neue kleine Wohnungsgenossenschaften, die viele Varianten neuer Wohnkonzepte entwickeln (Mehr-Generationenhäuser, Wohnen und Pflege im Alter, kinderfreundlich Wohnen), und die eine Alternative zu den überteuerten Mietpreisen im großstädtischen Milieu suchen. Angereichert werden die entsprechenden Konzepte durch soziale Komponenten: Kitas, Beratungsstellen, gemeinsames Gärten für den Stadtteil und vieles andere. In ländlichen Gebieten bilden sich wieder Konsumgenosssenschaften, weil die Versorgung der Menschen vor Ort durch die großen Handelsketten nicht mehr funktioniert. Gemeinsam ist allen Genossenschaften, dass Gewinne in der Regel reinvestiert werden; das Gewinnstreben ist nicht primär. Vor allem aber: Nicht die eingebrachte Geldsumme entscheidet über die Entscheidungsmacht, die dem einzelnen Genossen zukommt, sondern es gilt das Prinzip: eine Person, eine Stimme. Dabei wird neben dem wirtschaftlichen Handeln von jedem Genossen bzw. jeder Genossin erwartet, dass er oder sie sich mit dem Gesamtprojekt identifiziert, sich persönlich engagiert.

Heike Walk unterscheidet zwei grundsätzlich unterschiedliche Genossenschaftsziele: das wirtschaftsliberale und das soziale. Das erstgenannte ist beispielsweise durch Volksbanken in Deutschland weitverbreitet, die soziale Komponente wird vorrangig in den romanischen Ländern favorisiert, kommt heute aber durch die neue Genossenschaftsbewegung auch in Deutschland wieder zum Tragen. Diese Initiativen wollen neben den materiellen Interessen auch herkömmliche Denkstrukturen verändern und nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen.

Allen Krisen zum Trotz sind Genossenschaften wirtschaftlich stabil; bei dieser Rechts- und Wirtschaftsform gibt es die mit Abstand geringste prozentuale Insolvenzquote. Doch warum sind dieses Wirtschaftsmodell und seine Vorteile so wenig bekannt? Walk gibt zumindest ein Teilantwort: In den Studienangeboten der verschiedenen Wirtschaftswissenschaften fristet das Genossenschaftsmodell bestenfalls ein Mauerblümchendasein. Über Informationen und Weiterbildung kann dieser Zustand verändert werden. Vieles ist bereits auf dem Weg.

Und die Kirchen? Auch hier wird dieses Wirtschaftsmodel kaum als Alternative zum Wirtschaftsliberalismus proklamiert. Eigentlich unbegreiflich, denn die großen kirchlichen Hilfswerke setzen bei ihren Entwicklungshilfeprojekten in den verschiedensten Ländern seit Jahrzehnten erfolgreich auf das Genossenschaftswesen.

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