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Commons – Wirtschaften jenseits von Markt und Staat?

Kommende Dortmund Bei der März-Veranstaltung innnerhalb der Reihe „Querdenker“ war Silke Helfrich in der Kommende zu Gast. Als Vordenkerin neuer Formen der Gemeinwirtschaft stellte sie das Konzept der Commons vor. Es knüpft an bei der Tradition der Allmende, dem gemeinschaftlich genutzten landwirtschaftlichen Gemeindeeigentum. Den klassischen Einwand, dass Gemeinschaftseigentum entweder dazu einlädt, es zu übernutzen und letztlich zu zerstören oder es ungenutzt verwahrlosen zu lassen, lässt Silke Helfrich nicht gelten. Diese Gefahr bestehe nur dann, wenn die neuen gemeinschaftlichen Eigentumsformen nicht einhergehen mit einem entsprechenden neuen Denken: Es sei geprägt von der Lebensfreude und der Kreativität, die in der Kooperation steckt. Diese Praxis des Commoning stehe gegen das Elend der Vereinzelung und Konkurrenz, der Verknappung und Kommerzialisierung. Commoning setze darauf, begrenzte Ressourcen so zu teilen, dass alle das Notwendige erhalten. Bei anderen Ressourcen, etwa dem Wissen, sei die Begrenzung künstlich geschaffen. Es gelte, diese Grenzen zu beseitigen. Dann könnten diese Güter vermehrt bis zum Überfluss gesteigert werden, indem man sie miteinander teilt. Beispiele dafür sind das Internet-Lexikon Wikipedia oder zahlreiche Varianten freier Software, die auch bei der Leistungsfähigkeit den Vergleich mit entsprechenden kommerziellen Produkten nicht scheuen müssen.

Silke Helfrich forderte immer wieder ein „Neues Denken“ und lud dazu ein, sich jenseits gewohnter Kategorien und Vorstellungen zu bewegen. Es gehe um ein Denken, das sich vom Leitbild der Freiheit, nicht des Freibiers, leiten lässt.

Überdeutlich wird bei all diesen Überlegungen: Das Bild vom Homo oeconomicus, vom Menschen als einem individuellen Nutzenmaximierer, lässt sich mit dem weltweit vielfachen Erfolg der Gemeingüter-Wirtschaft nicht in Einklang bringen. Für Christen sollte es allerdings nicht allzu überraschend sein, die Menschen als soziale kooperationsfähige Wesen anzusehen, die letztlich nicht vom Besitzenwollen leben, sondern von der gemeinsamen Nutzung und vom Teilen all dessen, was sie zum Leben brauchen und was ihnen wertvoll ist.

Erstaunlich kritisch ging die Referentin mit den Segnungen eines starken Sozialstaats um. Darauf komme es weniger an, als auf die wachsende Zahl von Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, die all das, was sie können und haben in die Gemeinschaft einbringen und nicht nur das, was bezahlt wird. Staatlicherseits seien vor allem andere Rahmenbedingungen erforderlich, die nicht mehr das Profitstreben belohnen, sondern den Gemeinbesitz, die Vernetzung, den Erhalt und die Vermehrung von Lebensgrundlagen … Als Paradebeispiel dafür, dass bei dieser alternativen Form des Wirtschaftens auch das Geld eine ganz andere Rolle spielt, wurde die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken (GLS) in Bochum angeführt. Ihr Name ist Programm. Sie wurde mehrfach als nachhaltigste Bank in Deutschland ausgezeichnet. Es geht, so Silke Helfrich, bei der Commons-Wirtschaft um mehr als die oft zitierten gemeinschaftlich bewirtschafteten Stadtgärten, die in den letzen Jahren vielerorts entstanden sind. Gemeinsam etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen und für ein besseres Leben zu nutzen, ohne anderen zu schaden oder sie zu belasten – das ist in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen möglich, von der Geldwirtschaft bis zur Landwirtschaft, von der Entwicklung eines verbrauchsarmen Autos bis zur selbst gestalteten und selbst verwalteten Schule.

Das zahlreiche Publikum war engagiert dabei. Manche Fragen konnten allerdings nur noch sehr kurz aufgegriffen werden. Am Schluss der Veranstaltung war allen klar: Auf diesem Pfad müssen wir weiter diskutieren, ausprobieren, aus Fehlern lernen, Neues wagen. „Profilierte Querdenker im Interview“ heißt die Reihe, Jutta Helfrich wurde diesem Anspruch in jedem Augenblick gerecht.
Für die musikalischen Nachdenkpausen sorgte wiederum Simon Daubhäußer am Flügel: Eine mitstarkem Beifall bedachte Bereicherung eines durchaus schwierigen Querdenker-Abends.

Zum Weiterdenken empfohlen:

  • Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Transcript-Verlag 2012
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