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Jugend im interdisziplinären Dialog über ethische Leitbilder

Kommende-Tagung "Was ist der Mensch?"

„Was ist der Mensch? Jugend im interdisziplinären Dialog über ethische Leitbilder“ Unter dieser Leitfrage stand die von dem Sozialinstitut Kommende Dortmund initiierte Tagung für junge Erwachsene vom 19. bis 22. August 2012. Über 40 junge Studenten folgten der Einladung in die katholische Akademie Schwerte, um die Fragen nach den leitenden Menschenbildern einerseits aus der Perspektive ihres Studienfachs zu beleuchten und sich andererseits in einen interdisziplinären Dialog über ethische Orientierungen und den damit verbundenen Grundwerten zu verständigen.

Die Frage nach dem Menschen wurde intensiv jeweils in der Perspektive einer Disziplin - Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, Naturwissenschaften, Jura, Medizin und Pädagogik – bearbeitet. Einem Experten-impulse folgten von den Teilnehmern aktiv mitgestaltete und vorbereitete Arbeitsgruppen, die selbstständig und kritisch den Implus weiterverfolgten.

Zu Anfang der Tagung konfrontiert Otto Kentzler, Präsident des Zentralver-bandes des Deutschen Handwerks, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Thema „Goldener Boden Handwerk: Berufliche Anforderungen und Perspektiven junger Menschen“. In diesem hob der gelernte Klempner die Vielfältigkeit des Handwerks als Chance für den Schritt junger Menschen in das Berufsleben hervor. Eine handwerkliche Ausbildung könne eine gleichwertige Alternative zum Studium sein, wenn dieser Weg mit Leidenschaft und Engagement beschritten werde – für Kentzler eine Erkenntnis, für mehr gesellschaftliches Bewusstsein geschaffen werden sollte: Die größere Wertschätzung handwerklicher Berufe kann ein Gewinn für alle sein, die Auszubildenden, die Betriebe und auch die deutsche Wirtschaft, in der das Handwerk ein nicht unerheblicher Faktor ist.

Den Sprung vom Handwerk zur Industrie machte im Anschluss Christoph Obladen, Personalchef des Edelmetall- und Technologieunternehmens Heraeus. Er referierte aus der Innensicht eines großen Konzerns über die wirtschaftliche Sicht, die Mitarbeiter nicht nur als „human ressource“ sondern auch als Menschen wahrnehmen muss. Welches sind die Grundüberzeu-gungen, im Wirtschaftsjargon gerne „Core Values“ genannt, die ein großes Unter-nehmen im Umgang mit den Menschen leiten können? Pointiert gefragt: Ist die Wirtschaft für den Menschen da oder ist der Mensch für die Wirtschaft da? Dieser Frage widmeten sich auch die anschließenden Workshops zu Themen wie „Karriere versus Familie“, „Nachhaltige Unternehmensführung“ oder „Social Businesses“.

Das Ende des ersten einführenden Tages markierte ein medizinwissenschaft-licher Vortrag. Besonders kontrovers werden die Debatten in diesem Fachbereich immer dann, wenn es um Anfang und Ende menschlichen Lebens geht: Ab wann ist jemand Mensch und ab wann ist er es nicht mehr? Der stellvertretende Vorsitzende des Ethik-Komitees am Johannes-Hospital Dortmund, Dr. Thomas Wirriger, diskutierte dazu mit den jungen Studenten das Thema der Organspende, weil sich gerade an diesem die Frage nach dem Ende des Lebens auf Seiten der Spender noch einmal ganz radikal stellt: Ab wann ist ein Mensch Tod und sein Körper nur noch leere Hülle? Mit dem Ende des Kreislaufs? Dem Hirntod? Fragen an der Schnittstelle zwischen biologischer Definition und Ethik, die auch aktuelle politische Debatten bestimmen.

U m ein anderes Feld der Politik ging es in der ersten Hälfte des folgenden Tages. Vortrag und Workshops aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften widmeten sich der Frage nach der Begründbarkeit humanitärer Interventionen. Referent PD Dr. Markus Kaim gab eine theoretische Einführung in die Thematik, bevor er kurz auf den aktuellen Konflikt in Syrien zu sprechen kam. Als Leiter der Forschungsgruppe „Sicherheitspolitik“ bei der politikberatenden Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin sitzt er am Übergang von der Theorie zur Praxis, von Wissenschaft zur Politik. Kaum jemand wäre also besser geeignet über die Abwägung zwischen Moraltheorie und pragmatischen Erfordernissen zu berichten, über das Wünschenswerte und das Machbare in der internationalen Politik.

Um die juristische Perspektive auf den Menschen ging es im Vortrag des Rechtswissenschaftlers der WWU Münster Prof. Dr. Fabian Wittrek und in den angeschlossenen Workshops. Da das Recht den Handlungsrahmen für die Ge- sellschaft und all ihre Akteure vorgibt, laufen hier viele der bereits ange- sprochenen Debatten zusammen, wodurch sich viel Raum für interdisziplinäre Diskussionen ergab. So wurde in einer der Arbeitsgruppen mit der Debatte um die Sterbehilfe erneut eine medizinische Fragestellung thematisiert.

Im Vortragsprogramm des Fachbereiches Pädagogik wurden die Teilnehmer abschließend mit einer Thematik konfrontiert, die den meisten als ehemaligen und gegenwärtigen Schülern vertraut ist: „Der Auftrag der Institution Schule im Kontext christlicher Anthropologie“. Welchen Anteil darf und muss Schule an der Werterziehung von Kindern und Jugendlichen haben und wie muss diese gestaltet sein? Gibt es tatsächlich einen Werteverfall oder werden schlicht alte gesellschaftliche Normen von neuen abgelöst? Nach dem Vortrag zur his- torischen Entwicklung und zum Auftrag katholischer Schulen von Dr. Claus Peter Sajak, Professor für Religionspädagogik an der WWU Münster, wurden insbesondere diese Fragen der Wertevermittlung angeregt diskutiert.

Die abschließende Evaluation der Tagung im Plenum bestätigte den bereits gewonnenen Eindruck einer erfolgreichen Veranstaltung, die im kommenden Jahr auf Vorschlag der Teilnehmer und Teilnehmerinnen unter dem Titel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ ihre Fortsetzung finden soll. Gelobt wurde von den Jugendlichen die Möglich- keit zum überfachlichen Austausch. Er bewirkt eine Horizonterweiterung, die eine differenzierte Betrachtung gesellschaftlicher Probleme erleichtert. Positiv war auch die ethische Konzeption der Tagung, die für neben den sachlichen Debatten zentral für die eigene Wertentscheidung und Identität ist. Was wir eben brauchen sind nicht bloß fachlich kompetente, sondern auch weitsichtige und verantwortliche Mitglieder der Gesellschaft. Ähnlicher Ansicht ist auch das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, das diese Veranstaltung finanziell unterstützte. Gerade im Sinne einer eigenständigen Jugendpolitik scheint eine Sensibilisierung in solchen Grundfragen des Lebens für die jungen Menschen von großer Bedeutung, wenn sie denn in Zukunft unsere Gesellschaft nicht nur aktiv mitgestalten sollen, sondern aus innerer Zustimmung auch wollen.

Die Kommende Dortmund führt den Dialog mit den jungen Menschen mit einer Exkursion nach Brüssel im März 2013 fort. Unter dem Titel Jugend und Wirtschaft im europäischen Dialog werden die angestoßenen Fragen auf die politisch-praktische Dimension zugespitzt. Nach der wissenschaftlich-ethischen Klärung geht es dann um die Beteiligungs- und Gestaltungschancen junger Menschen im Spannungsfeld von Politik und Wirtschaft.

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