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Ausstrahlung entfalten und nicht belehren

v.l.: Prälat Dr. Peter Klasvogt, Weihbischof Václav Malý, Honorarkonsul der Tschechischen Republik in Deutschland Heinz Fennekold 

erschienen am 24. November 2012 in: Die Tagespost, Seite 5.

von Anja Kordik

Er war einer der Unterzeichner der Charta 77, eines Dokuments, das Gerechtigkeit und Freiheit in der kommunistischen Tschechoslowakei einforderte; und langjähriger Wegbegleiter des späteren Staatspräsidenten Václav Havel: der heutige Weihbischof von Prag, Václav Malý. Seine Weihe 1997 empfing er durch den damaligen Prager Erzbischof, Miloslav Kardinal Vlk. Wie dieser musste auch Malý für seine Glaubensüberzeugung zahlreiche Repressalien auf sich nehmen: vom Entzug der staatlichen Genehmigung für die Ausübung des priesterlichen Dienstes bis zur Verhaftung. Mehr als zwanzig Jahre nach Wende äußerte sich der Prager Weihbischof jetzt während eines Besuchs im katholischen Sozialinstitut Kommende Dortmund im Gespräch mit dieser Zeitung über mögliche Wege zur Neuevangelisierung in der tschechischen Gesellschaft.

 

Welche Resonanz findet das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens in der katholischen Kirche Tschechiens sowohl bei der tschechischen Bischofskonferenz als auch in den Pfarrgemeinden vor Ort?

Václav Malý: Die Erklärung des Papstes zum Glaubensjahr hat in der tschechischen Kirche bereits ein Echo hervorgerufen. Unsere Bischöfe haben alle Menschen eingeladen, das kommende Jahr in einer vertieften Reflexion des Glaubens zu begehen, kleine Gemeinschaften in den Gemeinden vor Ort zu schaffen und den eigenen Glauben anderen nicht nur mitzuteilen, sondern vorzuleben. Aber natürlich liegt es nun in den Händen der einzelnen Pfarrgemeinden, ob sie diese Einladung annehmen und die Impulse zum „Jahr des Glaubens“ weiter entfalten.

 

Gibt es ein gemeinsames Hirtenwort der tschechischen Bischöfe?

Václav Malý: Die Bischöfe haben eine gemeinsame Erklärung zum Glaubensjahr verfasst, aber dann hat jeder Bischof in seiner eigenen Diözese einen Brief an die Gemeinden geschrieben – und ist darin auf die jeweils konkrete Lage in seiner Region eingegangen Die Bischöfe beachten also die konkreten Bedürfnisse der Gläubigen und die unterschiedlichen Situationen vor Ort, auch in den verschiedenen Landesteilen, in Böhmen und im traditionell stärker katholisch geprägten Mähren. Zum Abschluss des Glaubensjahres im November 2013 haben die tschechischen Bischöfe bei ihrer jüngsten Vollversammlung in Vranov bei Brünn eine Nationalwallfahrt ins Heilige Land beschlossen. Im April 2013 soll zudem eine Wallfahrt der Priester und Diakone zur Glaubenserneuerung nach Velehrad stattfinden – von beiden Wallfahrten erhofft sich die katholische Kirche Tschechiens eine Signalwirkung.

 

Die Tschechische Republik gilt noch immer als das am stärksten säkularisierte Land Europas - dennoch die Frage, wie weit ein Prozess der Neuevangelisierung doch schon begonnen hat?

Václav Malý: Wahr ist: die katholische Kirche ist in unserem Land keine Volkskirche, sie ist eher eine Minderheit. Diese Realität müssen wir annehmen. Was wir vor allem brauchen, sind neue missionarische Keimzellen in den Pfarrgemeinden. Ich sehe die Chance für unsere katholische Kirche vor allem in den vielen kleinen, neu entstehenden Kommunitäten innerhalb der Gemeinden, Christen, die sich in kleinen Kreisen zusammenschließen und ihren Glauben gemeinsam leben. Diese kleinen Gemeinschaften entfalten eine wirkliche Ausstrahlung, weil sie nicht nur belehren, nicht nur über Kirche und Glauben informieren. Sie werden getragen von Menschen, die überzeugt sind vom Evangelium, die den Wunsch haben, ihre ganz persönliche Beziehung zu Gott, zu Jesus Christus anderen Menschen mitzuteilen – und darin sehe ich eine Chance für die Zukunft mehr als in der flächendeckenden Erfassung unseres gesamten Territoriums durch kirchliche Strukturen, die bereits im 18. Jahrhundert entstanden sind.

 

Wird die Schaffung solcher missionarischer Zellen als gemeinsame Aufgabe von Priestern und Laien gesehen?

Václav Malý: Ja, das ist eine Aufgabe nicht nur der Priester, nicht nur der Bischöfe, sondern es ist eine Aufgabe jedes Getauften. Gerade hierin liegt die Chance, dass die Gläubigen wirklich Verantwortung für die Zukunft unserer Kirche übernehmen. Ich stelle im übrigen eine Veränderung auch des gesellschaftlichen Klimas fest. Einerseits setzt sich der Prozess der Säkularisierung fort. Zugleich beobachte ich einen Wandel: nicht mit Blick auf die Zahl der Gläubigen, aber in der Haltung von immer größeren Teilen gerade der jungen Generation, die dringend nach geistiger Verwurzelung sucht.

 

Versucht die katholische Kirche in Tschechien im Jahr des Glaubens, insbesondere die junge Generation anzusprechen?

Václav Malý: Selbstverständlich hat die Kirche die junge Generation im Blick. Wir erleben ja teilweise sogar so etwas wie eine neue Religiosität bei unserer Jugend. Aber diese Religiosität ist oft sehr diffus und synkretistisch ausgerichtet: Jeder möchte sich aus den verschiedenen Religionen das ihm persönlich Passende heraussuchen. Was Not tut, sind Initiativen zur Vermittlung von vertiefterem Wissen über den katholischen Glauben – das aber ist eine Notwendigkeit unabhängig vom Alter. Vertiefung und „Weiterbildung“ im Glauben sind ein lebenslanger Prozess. Auch ich als Bischof lese jeden Tag in der Bibel und suche nach Inspiration in der Heiligen Schrift, ich studiere theologische Schriften, etwa auch der christlichen Mystiker, um mich immer wieder neu meines Glaubens zu vergewissern. Als Kirche versuchen wir, alle Generationen im „Jahr des Glaubens“ einzubeziehen. Aber es gibt selbstverständlich auch spezielle Initiativen für Jugendliche. In etlichen Pfarrgemeinden finden im kommenden Jahr sogar wöchentlich besonders gestaltete Jugendtreffen statt.

 

Welche Rolle spielt die Caritas für die Neuevangelisierung der tschechischen Gesellschaft?

Václav Malý: Der Glaube vollzieht sich in der persönlichen Beziehung zu Gott und zu unserem Herrn Jesus Christus. Der Glaube ist aber immer an konkrete Taten gebunden. So sind Werke der Caritas zugleich Werke des Glaubens. Die tschechische Caritas existierte zwar während der ganzen Ära des Kommunismus, war aber in ihrer Arbeit sehr eingeschränkt. Es gab nur eine einzige Caritas-Zentrale in Prag und diese wurde durch die staatlichen Behörden streng kontrolliert. Nach der Wende mussten die Caritas-Strukturen in den Diözesen und Pfarrgemeinden – auch mit Hilfe der Caritas aus Deutschland und Österreich - neu aufgebaut werden. Heute gibt es in unserem Land wieder ein großes Netzwerk kirchlicher Caritas – mit Hospizen, Mütter-Kind-Heimen, Obdachlosen-Asylen und Familienberatungsstellen. Unsere Priester wirken als Seelsorger in Krankenhäusern und Gefängnissen – auch das ist Teil unserer caritativen Tätigkeit. Die Kirche will in die Gesellschaft hineinwirken, eine positive Haltung gegenüber den Schwachen vorleben, die Bedürftigkeit und zugleich die Würde eine jedes Menschen deutlich machen, die aus seiner Gottesebenbildlichkeit folgt – und die mehr ist als bloße Rechtssicherheit.

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