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Alumnikongress der Sozialakademie in Ariccia

Reflexionen von Kommendedirektor Prälat Dr. Peter Klasvogt


"Für eine Kultur der Verantwortung"
Die verwandelnde Kraft des Evangeliums in der heutigen Welt

In Zeiten, in denen die Welt Kopf steht, wäre es zu wünschen, dass wir bei all dem, was unsere Menschheit in ihren Grundfesten erschüttert, den „Dreh“ finden, um das Schwungrad des Negativen und Destruktiven anzuhalten und in eine positive, konstruktive Richtung zu lenken, und uns dafür mit aller Kraft auch einzusetzen. Das heißt: aus der Kraft des Glaubens für unsere Welt Verantwortung zu übernehmen, jeder an seinem Platz, zu seiner Zeit und mit seiner Kraft, aber immer im Blick auf das größere Ganze, das Wohl aller. „Europa eine Seele geben!“, getreu dem Leitwort unserer Sozialakademie.

Zu dieser ambitionierten Programmatik waren Anfang August auf Einladung der Kommende und des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden immerhin rund 80 Seminaristen, Diakone und Priester aus 16 Ländern Osteuropas nach Rom gekommen. Sie alle hatten in den zurückliegenden fünf Jahren an unserer Sozialakademie zur Soziallehre der Kirche teilgenommen und sich auch weiterhin mit analytischem Blick den Glauben an die verwandelnde Kraft des Evangeliums in unserer Welt bewahrt.

Doch gute Ideen und große Ideale allein genügen nicht. Um sie anzugehen und umzusetzen, braucht es gegenseitige Vergewisserung, persönliche Verbindungen und gleichgesinnte Verbündete. Exakt diesem Ziel diente dieser Kongress. Er wollte aus einer der Welt zugewandten Distanz heraus wahrnehmen, was die Welt im Innersten zusammenhält und wie den Fliehkräften einer aus den Fugen geratenen Welt aus der Kraft des Glaubens zu begegnen ist. Man kann sich vorstellen, dass diese Zusammenkunft zugleich eine Quelle von Ideen und Inspirationen, Perspektiven und Projekten war, verstanden als eine Gemeinschaftsaufgabe, auf Empfehlung des II. Vatikanischen Konzils die Zeichen der Zeit zu erkennen und im Licht des Evangeliums zu deuten: Die gegenwärtigen Signale stehen dabei auf Umbruch. Die großen eindimensionalen Visionen der Welterklärung und mächtigen Systeme der Weltbeherrschung scheinen an ein Ende zu kommen.

Zusammenbruch des kommunistischen Systems

Vor mehr als 20 Jahren geriet die enge Welt eines jahrzehntelang geschlossenen Systems endgültig aus den Fugen. Die Mauern fielen. Den Teilnehmern unseres Kongresses, allesamt aus den Ländern des ehemaligen „Ostblocks“ angereist, brauchte man nicht in Erinnerung rufen, dass der Aufbruch dieser kommunistischen Macht ihren Ausgang gerade bei den Kirchen nahm; man denke nur an die Solidarnosc-Bewegung in Danzig. Bei der es sich nicht nur um eine nationale Befreiungsgeschichte handelt; an ihr lässt sich viel umfassender die Durchsetzungskraft eines christlichen Weltverständnisses ablesen, das selbst die Mauern totalitärer Systeme zum Einsturz bringt. Man wird wohl erst im Abstand der Jahrzehnte die tragende Rolle eines Johannes Paul II. in diesem Prozess würdigen können.

Vor dem Hintergrund der kommunistischen Gewaltherrschaft, die in den Familien- und Lebensgeschichten vieler Kongressteilnehmer tiefe Wunden hinterlassen hatte, war es also eine gewaltige Provokation, dass ausgerechnet der ehemalige Vorsitzende der Österreichischen Kommunistischen Partei, Walter Baier, seine Erwartungen an die Christen und Kirchen im Einsatz für ein solidarisches und soziales Miteinander in einem vereinten Europa zum Ausdruck brachte. Baier, der als Nichtglaubender seit Jahren den Dialog mit den „Christen guten Willens“ sucht und von Papst Benedikt XVI. zum Friedensgebet nach Assisi eingeladen worden war, appellierte eindringlich an die Seminaristen und Priester aus den ehemals kommunistisch regierten Ländern, auch ihrerseits mit allen Menschen guten Willens, auch den Nichtglaubenden und Andersdenkenden, den Dialog zu pflegen im gemeinsamen Engagement für eine Gesellschaft mit menschlichem Antlitz. Man kann sich vorstellen, dass nach dieser Intervention viel Diskussions- und Klärungsbedarf bestand, der aber zum fruchtbaren Nachdenken und zur Besinnung auf den kirchlichen Sendungsauftrag anregte. 

Ein obsolet gewordenen Neokapitalismus

Aber auch der vermeintliche Sieger im Wettkampf der Systeme, der Neokapitalismus angelsächsischer Prägung ist mittlerweile obsolet geworden. Den Gegenentwurf zur damit einhergehenden, sprichwörtlichen „Gier“ an den Finanzmärkten präsentierte der Sekretär des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Erzbischof Mario Toso. Er erinnerte in seinem Vortrag an die Sozialenzyklika Caritas in veritate (2008), in der Papst Benedikt XVI. auf die Unverfügbarkeit letzter und höchster Werte und Gaben hinweist, die man sich nicht verdienen, die man sich nur schenken lassen kann. Gegen die selbstbezogene Logik des „Habens“ und „Haben-Wollens“ steht die anthropologisch viel umfassendere und tiefgreifende Bewegung von „Empfangen“ und „Geben“: Was habe ich, was ich nicht empfangen hätte! Und was habe ich, das auch anderen dienen könnte? Oder prägnant auf die Formel gebracht: „Alles ist ein Geschenk für mich, und ich bin ein Geschenk für andere“ (Chiara Lubich). Diese christliche Sicht prägte auch das Miteinander des Kongresses, angefangen von einem „Wort in den Tag“ bis zum „Tagesrück-blick“ in Gruppen, wo man einander berichtete, was jeden im Laufe des Tages bereichert und was man selbst zum Gelingen des Ganzen beigetragen hat. Eine für alle Teilnehmer zutiefst bewegende und beglückende Erfahrung.

Aufruf zu einem geeinten Europa

Die Eurokrise führt uns dabei vor Augen, dass wir uns nicht durch ein rein wirtschaftliches Kalkül leiten lassen dürfen. Als untrennbare Schicksalsgemeinschaft kann in der globalen Welt nur ein geeintes, nicht ein zersplittertes Europa eine Zukunft haben. Unser europäischer Kontinent, über Jahrtausende immer wieder von Kriegen und willkürlichen Grenzziehungen überzogen, hat endlich die Chance, in Besinnung auf die jüdisch-christlichen Wurzeln abendländischer Kulturgeschichte das gemeinsame Haus Europa zu bewohnen, in versöhnter Verschiedenheit, aber unter demselben Dach. Nur auf diesem Weg, so Erzbischof Toso, wird Europa seine Seele wiederfinden.

Das erste Wort der päpstlichen Soziallehre heißt caritas - Liebe. Aus der Liebe folgt alles Handeln der Christen, die sich mit Kraft, Mut und Großherzigkeit auf dem Gebiet der Gerechtigkeit und des Friedens einsetzen und sich mit diesem Handeln tatkräftig den Willen Gottes für diese Welt zu eigen machen. Insofern war es bezeichnend, dass Papst Benedikt XVI. den Teilnehmern unseres Kongresses beim Angelus-Gebet in Castelgandolfo eindringlich zurief, am Beispiel des „guten Hirten“ Maß zu nehmen: Führungsaufgabe als Lebenshingabe! Das meint nicht primär, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, wohl aber, sich mit ganzer Kraft dafür einzusetzen, den Menschen „das wahre Brot des Lebens (zu geben), das unseren Hunger nach Sinn und Wahrheit stillt“. Seine Botschaft an uns endete mit dem Appell: „Vertrauen wir uns also Jesus an, und werden wir eine Gemeinschaft in Christus, die dann auch ausstrahlt und seine Liebe den Menschen sichtbar macht. Der Herr segne und behüte euch alle.“ (Angelus, 5.8.2012)

Kommendedirektor Prälat Dr. Peter Klasvogt

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