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Kommende-Forum „Burnout – Wann macht Arbeit krank?“

Bericht

Burn Out Referenten (v.l.n.r.) Dr. Andreas Fisch, Ministerialdirektor Prof. Dr. Rainer Schlegel, Prof. Dr. Walter Möbius, Dipl. Psychologe Thomas Artmann, Prälat Dr. Peter Klasvogt Kommende Spätestens seitdem sich Prominente wie Ralf Rangnick und Tim Mälzer geoutet haben, ist das Thema „Burnout“ in aller Munde und in den Medien. Dementsprechend hoch war die Resonanz auf das Kommende-Forum, zu dem das katholische Sozialinstitut Kommende zusammen mit der IHK zu Dortmund, der Handwerkskammer (HWK) Dortmund und dem Bund Katholischer Unternehmer (BKU) einluden. Unter den über 100 Teilnehmern waren gleichermaßen Betroffene und Interessierte wie Arbeitgeber und Betreuer von Gruppen mit erhöhtem Risiko. Im Zusammenwirken zeichneten die Referenten aus allen drei Bereichen, Arbeitsschutz, Medizin und Psychologie, ein umfassendes Bild der Problematik.

Doch der Begriff „Burnout“ ist keine medizinische Diagnose im eigentlichen Sinn. Was verbirgt sich also dahinter? Was sind die Auslöser? Wie muss die Kultur des Unternehmens beschaffen sein?

Durch Dauerstress gerät die Konzentration der Neurotransmitter, Botenstoffe der Nervenzellen, aus dem Gleichgewicht. Die Folgen sind Schlafstörungen und Erschöpfung, die Unfähigkeit sich zu entspannen, Muskelverspannungen und Gedächtnisstörungen sowie Heißhungeranfälle bis hin zu Neurotoxizität und Neuroplastizität.

„Burnout“ ist auch eine Frage der Ökonomie: 60% aller Fehlzeiten in Unternehmen sind durch beruflichen Stress verursacht. Alleine 2010 gingen 53 Millionen Arbeitstage durch psychische Erkrankungen verloren. Die Anzahl der Menschen, die an „Burnout“ leiden, wird in Deutschland auf 9 Millionen geschätzt, der Schaden für die Wirtschaft auf 8 Milliarden Euro.

Diplom Psychologe Thomas Artmann, geschäftsführender Gesellschafter der EUDAIMON GmbH und Co. KG, hat langjährige Erfahrung in der Arbeit mit „Burnout“ Patienten. Er zieht ein ernüchterndes Fazit: „Erschöpfung und Verschleiß sind in großen Unternehmen häufig mit einkalkuliert.“

„Arbeit ist trotzdem immer besser als keine Arbeit“, so der Leiter der Abteilung „Arbeitsrecht und Arbeitsschutz“ im „Bundesministerium für Arbeit und Soziales“ Prof. Dr. Rainer Schlege. Generell sei zu erkennen, dass Arbeit sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstwertgefühl auswirke.

„Vor 60 Jahren wurden wir bei Stress aufgefangen in der Großfamilie“, beschreibt Artmann den sozialen Wandel: „Heute ist diese weggefallen und die sozialen Sicherungssysteme werden zurückgefahren.“ Dies führe zu einer extremen Angst. „Ich als Familienvater stehe gegen die gesamte Wirtschaft und muss der Familie etwas bieten. Das erzeugt immensen Druck!“

„Mehr Komplexität, Konkurrenz und weniger Sicherheit“, bringt er die Herausforderungen auf den Punkt. In unserer Hochleistungsgesellschaft würde Misserfolg massiv das Selbstwertgefühl angreifen. Nicht der im Beruf hervorgerufene „Oberflächenstress“ sei verantwortlich für „Burnout“, sondern „existentieller Stress“ des Scheiterns, so Artmann.

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung habe ergeben, dass der Führungsstil des Vorgesetzten mehr Einfluss auf die Arbeitsleistung und das Befinden der Mitarbeiter habe, als die Arbeitsbelastung. Mitarbeiter, deren Vorgesetzter bei der Bewertung im oberen Viertel lag, verzeichneten eine positive Abweichung von 29% in ihrer Arbeitsleistung, während das untere Viertel um 46% negativ abwich.

Viele DAX-Konzerne hätten dies begriffen und eigene Abteilungen für Arbeitsbedingungen geschaffen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bemühe sich laut Schlegel auch kleineren Betrieben die notwendigen Instrumente zur Verfügung zu stellen.

Bei der gesetzlich verpflichtenden Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes würden bisher häufig nur chemische und physikalische Einflüsse berücksichtigt, auf die psychischen Auswirkungen werde kaum Rücksicht genommen, kritisierte Artmann. Es sei sehr wichtig, Betriebsärzten auch Psychologen zur Seite zu stellen. Weder die Mediziner noch die Sozialsysteme seien auf „Burnout“ vorbereitet, fügt Schlegel hinzu. Auch lernten BWLer in ihrem Studium nicht, wie sie rücksichtsvoll führen und mit psychisch Erkrankten umgehen können.

Schlegel fordert einen Focuswechsel hin zur Prävention: „Das ganze System ist darauf ausgerichtet, ausgebrochene Krankheiten zu behandeln.“ Der wichtigste Punkt, die Prävention, habe das kleinste Budget.

Am Ende gab Schlegel noch einen ganz praktischen Rat: „Ich arbeite gerne am Wochenende. Doch dann schicke ich die E-Mail immer mit eingebauter Verzögerung heraus, sodass sie erst am Montag um 8:30 Uhr ankommt. Ich will nicht, dass derjenige das Gefühl hat, er müsste am Wochenende auch etwas tun.“

Hinweis: Für alle Führungskräfte mit vertieftem Interesse am Thema bietet die Kommende am 31. Oktober 2012 ein Seminar zum Thema "Betriebliche Burnout-Prävention als Führungsaufgabe" an.

Einladungsflyer mit näheren Informationen HIER!

 

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