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Viele Ursachen für die Spaltung in Arm und Reich

 Hamm im September 2009 - ein Jahr nach dem Beginn des Bankencrash und der damit einhergehenden weltweiten Wirtschaftskrise. „Aktueller können wir nicht sein. Der jüngste Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsververbandes für den Bereich Dortmund. Hamm –Unna weist einen überdurchschnittlichen Armutsquotienten für diese Region auf“, so Sigrid Baer, Vorsitzende des Bildungswerkes Hellweg in ihrer Begrüßung zum Themenabend „Wie viel Ungleichheit verkraftet die Gesellschaft? Kirchliches Engagement zwischen Versöhnung und Provokation“.

Dr. Andreas Fisch, Referent für Wirtschaftsethik Dr. Andreas Fisch, Referent für Wirtschaftsethik Sie hat Dr. Andreas Fisch vom Sozialinstitut Kommende Dortmund eingeladen. Der Dozent für den Fachbereich „Wirtschaftsethik“ nahm den Ball direkt auf. Als er in Rio de Janeiro mitten am helligten Tag mit Machete bedroht und ausgeraubt wurde, lernte er, wie weit es kommen kann, wenn Arm und Reich so weit auseinanderdriften, dass die Armen keine legale Chance für sich sehen. Von brasilianischen Dimensionen ist Deutschland noch entfernt, aber so belegt Fisch an eindrücklichen Zahlen: „Die Schere zwischen Wohlhabenden und Chancenlosen driftet auch in Deutschland auseinander. Kinderarmut, ein vergangenes Phänomen, kehrt zurück.“

Aufgabe der Kirche sei es, prophetisch zu sein, das heißt, aus einer zutreffenden Gegenwartsanalyse einerseits die negativen Folgen aufzuzeigen, wenn nichts unternommen wird, andererseits Wege aufzuzeigen, damit alle Menschen am Leben der Gesellschaft in Würde teilhaben können.

Hamm - Vortrag Arm und Reich Mit Hilfe von vier Verteilungsmodellen diskutieren die Anwesenden die ihnen liebste Gesellschaftsordnung. Klar wird: Eine einmalige Umverteilung ist keine nachhaltige Lösung. Also zählt Fisch sachlich mindestens zehn Ursachen für die zunehmende Spaltung auf und bewertet sie nach Kriterien der Christlichen Sozialethik: das milieuinterne Heiratsverhalten und die Lohnspreizung im Zuge der Globalisierung zählt er zu den Ursachen, die sich kaum verändern lassen. Aber dass Sozialleistungen die Armen relativ schlechter stellen, dass Familien deutlich benachteiligt sind und dass bildungsferne Kinder und Jugendliche keine Aufstiegschancen haben, sind klare Ansatzpunkte für Reformen. 4 von 5 Armutsgruppen betreffen Kinder, junge Leute und Familien, Altersarmut liegt dagegen unter dem Durchschnitt von 12 %. Heute kommt das Gros der Hochschüler aus Akademiker- oder Beamtenhaushalten. Weitgehend chancenlos sind dagegen Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen: Eltern(teil) arbeitslos, vielleicht mit Migrationshintergrund, problembeladener Wohnort. Die Anzahl der Menschen in solchen prekären Lebensverhältnissen steigt. Drastisch beschreibt Fisch die Lage: „Hauptschüler wissen, dass sie keine Chance haben, Ihr sarkastischer Berufswunsch: ‚Hartz IV’. Wenn dagegen ein großer Automobilhersteller verkündet, die besten 10 % an den Hauptschulen im Stammsitz erhalten einen Ausbildungsplatz, dann lohnt sich der Arbeitseinsatz ganz plötzlich!“

Vor allem die Auslassungen über die Bildungsbenachteiligung heizen die Diskussionen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an. Bildungsgutscheine, verknüpft mit sozialpädagogischer Begleitung, werden als eine Möglichkeit gehandelt, den Kreislauf von Bildungferne und Armut zu unterbrechen. Ein Teilnehmer löst kurzzeitig Betroffenheit aus, als er fragt: „Wer soll das bezahlen?“ Eine Hauptschullehrerin aus einem problembelasteten Hammer Stadtteil berichtet über ihren täglichen Kampf. Hoffnung síeht sie unter anderem im Aufbau Schulpatenschaften: Erwachsene begleiten Hauptschüler – ehrenamtlich, das kostet Zeit und Zuwendung, kein Geld.

Hamm - Vortrag zu Arm und Reich Ein Herr fragt: „Was ist gerecht?“ Dr. Andreas Fisch antwortete: „Absolute Gerechtigkeit erwarten Christen von einer höheren Instanz. Aber mit dem Einsatz für Chancengerechtigkeit gerade für die Benachteiligten arbeiten Kirchen und andere Gruppen diesem Gott entgegen.“

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