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Gute Arbeit ist ungleich verteilt

Kommende Dortmund Bericht. „Der Respekt vor Arbeit schwindet in dieser Gesellschaft“, so ein Teilnehmer des letzten Rosinengesprächs in der Kommende zu dem Thema „Fluch oder Segen? Was Arbeit zu „guter Arbeit“ macht“. DGB Östliches Ruhrgebiet und Kommende Dortmund hatten hierzu eingeladen. Der Frage versuchten sich Barbara Hemkes vom DGB-Bezirk NRW sowie der Sozialethiker Prof. Dr. Mathias Möhring- Hesse, Universität Vechta, als geladene Experten zu nähern.

Die gewerkschaftliche Position, gewonnen aus repräsentativen Mitgliederbefragungen, geht von einen komplexen Arbeitsbegriff aus. Gute Arbeit zeichnet sich durch Einkommen, unbefristete Beschäftigung, das Einbringen der eigenen Kompetenzen in die Arbeit, soziale Beziehungen am Arbeitsplatz sowie Mitbestimmung aus. Dieser Standard ist jedoch nicht soziale Realität. Arbeit bekommt derzeit in der Gesellschaft nicht den ihr zustehenden Wert. Leiharbeit und Niedriglohnsektor werden ausgebaut, viele Arbeitnehmer sind deshalb auf zusätzlicher staatliche Unterstützung (Hartz IV) angewiesen. Mitbestimmungsrechte werden zurückgefahren, angesichts der Globalisierung der Wirtschaft stellt sich aus gewerkschaftlicher Sicht die Frage nach der Gestaltbarkeit von Arbeit neu.

Mathias Möhring- Hesse zeichnete das Bild eines veränderten Arbeitsverständnisses aus vierfacher Perspektive. Zum einen hat sich die Form der Arbeit gewandelt, Beschäftigte bringen sich ganzheitlich in ihre Arbeit ein, und dieses wird seitens ihrer Arbeitgeber gern und ganzheitlich genutzt. Möhring- Hesse nennt dieses „verändere  Nutzungsstrategie“. Daraus folgt für ihn, dass „gute Arbeit“ „ungleich verteilt“ ist. Schwer ersetzbare Arbeitnehmer erhalten durch ihre Arbeitgeber hierfür Kompensation, unter anderem durch die Höhe ihres Gehaltes. Andere, meistens geringer Qualifizierte,  zum Beispiel die Kassiererin einer großen Discounterkette, sind angesichts der hohen Arbeitslosigkeit austauschbar.

In der Wechselwirkung von „Beschäftigte geben alles“ und „Betriebe wollen alles“ sieht der Sozialethiker drittens eine „große ökologische Gefahr“. Denn durch ihr eigenes Verhalten setzen Beschäftigte teilweise Arbeitsrechte und Arbeitsschutz selbst außer Kraft. Aber gab Mathias Möhring- Hesse zu bedenken: „Alles geben geht kein Leben lang“.

Die Essenz daraus für den Referenten: „Man wird Mensch in Arbeit“. Die Arbeit wuchert immer weiter in das hinein, was früher Freizeit war. Symbole hierfür sind für ihn Notebook und Handy, die eine ständige Verfügbarkeit an jedem Ort zu jeder Zeit ermöglichen. After-Work-Parties zeugen von einer völligen Verquerung dieser Verfügbarkeit.

Diese hat weitreichende Folgen für die Zivilgesellschaft. Bürgersinnliches Handeln ist auf dem Rückzug, Parteien, Gewerkschaften, Vereine oder Kirchengemeinden, aber auch Familien sind Verlierer eines solchen Arbeitsverhaltens. So forderten Möhring- Hesse, wie auch das diskutierende Publikum, „guter Arbeit“ Grenzen zu setzen, dafür Sorge zu tragen, dass wieder das Leben in die Erwerbsarbeit hineinwuchert.

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