Die Preisträger mit Prof. Koch (6. v.l.; Prof. Müller-Dietz (2. v.r.) und Dr. Klasvogt (1. v.r.)Kommende Dortmund
„erst wenn…
erst dann…
erst jetzt…
erst wenn es nacht wird
erst wenn sich die sonne senkt
erst wenn ich im schutz der nacht bin
erst wenn ich mich setze
erst wenn ich alleine bin
erst wenn ich mir sicher bin
im schutz der dunkelheit
erst dann nehme ich das schild runter
erst dann leg´ich meine rüstung ab“
Diese Auszüge aus dem preisgekrönten Gedicht von Pasqual P. sind ein beeindruckendes Zeugnis für die literarische Qualität der diesjährigen Preisträger des Ingeborg-Drewitz-Literaturpreises für Gefangene 2008, die in der Kommende Dortmund ausgezeichnet wurden.
Gefangen, weggeschlossen, Alltag im Knast mit all seinen – der normalen Alltagswelt so fremden- Alltagsfacetten: Gefangene suchen diese Wirklichkeiten literarisch einzufangen und so ihre eigene Situation etwas einzufangen.
„Die erzählerischen Texte, Prosa oder Lyrik sind subtil, sie beschreiben die Wirklichkeit der Gefangenen in einer eindrucksvollen und beeindruckenden Weise“, so Prof. Dr. Helmut Koch, Leiter der Dokumentationsstelle für Gefangenenliteraur an der Universität Münster und Jurymitglied des Ingeborg-Drewitz Literaturpreises. Und seiner Kenntnis nach hat sich die Wirklichkeit geändert, sie ist härter und belastender geworden.
In Anspielung des Volksliedes „Die Gedanken sind frei“ ging der Leiter der Kommende, Dr. Peter Klasvogt in seiner Begrüßung auf das „Genre Gefangenenliteratur“ ein. Dieses Lied –entstanden Ende des 18. Jahrhunderts, gesungen und verboten unter anderem im Vormärz um 1840 und im Nazideutschland – drückt nicht nur die Sehnsucht nach Freiheit aus. Auch der Gedanke, formuliert und in Sprache gesetzt, ist ein Akt von Freiheit, einer Freiheit des Wortes selbst hinter Mauern.
In diesem Jahr hat Heinz Müller-Dietz, herausragend durch seine Forschungen zum strafrechtlichen Sanktionensystem, zum Strafvollzug sowie zur Thematik Literatur und Recht, die Schirmherrschaft übernommen und den Autorinnen und Autoren die Auszeichnung übergeben.
Eindrucksvoll rezitiert und in Szene gestzt wurden fünf Texte der Preisträger durch das „theaterlabor schwerte“, einer Kunstinitiative im Umfeld der Justizvollzugsanstalt Schwerte.
theaterlabor schwerteKommende Dortmund





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